ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2013Feuchte altersabhängige Makuladegeneration: VEGF-Inhibitor: Höhere Dosis, besseres Sehvermögen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Feuchte altersabhängige Makuladegeneration: VEGF-Inhibitor: Höhere Dosis, besseres Sehvermögen

Dtsch Arztebl 2013; 110(15): A-718 / B-628 / C-628

Gerste, Ronald D.

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Die Inhibition des vascular endothelial growth factor (VEGF) ist zum Goldstandard der Behandlung der neovaskulären (feuchten) altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) geworden. Zugelassen für intravitreale Injektionen sind die Wirkstoffe Lucentis (Ranibizumab) und Eylea (Aflibercept). Off label wird in einigen Zentren Avastin (Bevacizumab) gegeben.

Die Effekte sind nicht immer befriedigend. Abzulesen ist dies neben dem Visus vor allem an einem Parameter, der mit Hilfe der optischen Kohärenztomographie (OCT) gemessenen mittleren Netzhautdicke – je höher dieser in µm gemessene Wert, desto mehr intraretinale Flüssigkeit liegt (noch) vor.

Ein Behandlungszentrum im texanischen Houston hat bei 78 Patienten, bei denen trotz im Schnitt bislang erfolgten 24 (!) intravitrealen Anti-VEGF-Injektionen immer noch Gefäßleckagen im OCT oder in der Fluoreszenzangiographie zu sehen waren, eine „Superdosis“ eingesetzt. Die Patienten im Durchschnittsalter von 77 Jahren wurden anstelle der kommerziell erhältlichen Dosierung von 0,5 mg Lucentis mit 2,0 mg des Wirkstoffs im Rahmen einer SAVE (Super-dose anti-VEGF) genannten Studie behandelt. Es erfolgten drei Injektionen in monatlichem Abstand. Als Folge dieser höher dosierten Therapie wurde ein durchschnittlicher Anstieg des Sehvermögens um 3,7 Zeichen auf den ETDRS-Sehtesttafeln nach einem Monat und von 3,3 Zeichen nach drei Monaten verzeichnet. Die Netzhautdicke sank im Mittel nach einer Woche um 48,4 µm, nach zwei Monaten war sie um 42,4 µm, nach drei Monaten um 33,1 µm reduziert. Es gab eine signifikante okuläre Komplikation.

Fazit: Die Autoren konstatieren eine statistisch signifikante Verbesserung nach hochdosierten Lucentis-Injektionen alle drei Monate in einer Kohorte unvollständiger Responder auf herkömmliche Dosierungen. Allerdings war das durchschnittliche Sehvermögen bei Studienbeginn „trotz chronischer oder persistierender Flüssigkeit“ gut. An der unbedingten Notwendigkeit einer Reduzierung der intraretinalen Flüssigkeit in solchen Fällen mögen Zweifel aufkommen wie bei Prof. Dr. med. Frank G. Holz, Direktor der Universitätsaugenklinik Bonn. Er spricht im Zusammenhang mit der neovaskulären AMD vom „Mythos der trockenen Makula“ und sieht eine gute Funktion und Zufriedenheit des Patienten auch bei Leckageresten häufig gegeben.

Dr. med. Ronald D. Gerste

Brown DM, Chen E, Mariani A, et al.: Super-dose Anti-VEGF (SAVE) Trial: 2,0 mg intravitreal ranibizumab for recalcitrant neovascular macular degeneration—Primary end point. Ophthalmology 2013; 120: 349–54.

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