ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2013Ausländische Ärzte in deutschen Kliniken: Mehr als nur B2-Niveau

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Ausländische Ärzte in deutschen Kliniken: Mehr als nur B2-Niveau

Dtsch Arztebl 2013; 110(15): A-741 / B-649 / C-649

Farhan, Nabeel

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Foto: Fotolia/Snaptitude, Fotolia/Seen [m]
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Am Universitätsklinikum Freiburg wurde ein Patienten­kom­mu­ni­kations­test für aus­ländische Ärzte konzipiert, der sich als bundes­weiter Standard etablieren könnte.

Ausländische Ärzte, die in Kliniken in Deutsch­land arbeiten wollen, stehen vor zahlreichen Heraus­forderungen: Neben Fachwissen und der Fähigkeit zur Verständigung im Alltag ist die sprachliche Sicherheit im Umgang mit Patienten, ärztlichen Kollegen und dem Pflegepersonal essenziell. Bei der Mehrzahl der ausländischen Ärzte seien die fachlichen Kenntnisse recht gut, aber oft könnten die Abläufe in den Krankenhäusern nicht nachvollzogen werden, und die sprachlichen Kenntnisse seien häufig nicht ausreichend, meint der Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands, Dr. Josef Düllings: „Das wird zum Sicherheitsproblem.“ Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, bestätigt, es gebe inzwischen Krankenhäuser, in denen kaum noch ein Arzt richtig Deutsch spreche. Und der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, mahnt: „Ein Arzt aus einem Drittland muss mehr können, als in der Nachtschicht Pizza bestellen.“

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Zwar wird in den meisten Bundesländern der Nachweis allgemeinsprachlichen Wissens in Form des B2-Sprachniveaus vor Erteilung der Berufserlaubnis gefordert, jedoch zeigt die Praxis, dass dieses Niveau für die Bewältigung der alltäglichen ärztlichen Aufgaben nicht ausreichend ist, weil lediglich allgemein-sprachliches Wissen vermittelt wird. Aufgrund dieser Erfahrungen stellte die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg im Juli 2012 fest, „dass für die Erteilung einer Approbation/Berufserlaubnis für die Ausübung des ärztlichen Berufs ausländischer Ärztinnen und Ärzte in Deutschland der Nachweis deutscher (Grund-)Sprachkenntnisse im Umfang des bisher vorgeschriebenen Niveaus B 2 nicht ausreicht“. Grundkenntnisse der deutschen Sprache, wie sie in Kursen für den Erwerb des B2-Niveaus vermittelt werden, genügen also nicht: „Für eine sorgfältige Erhebung der Anamnese und die notwendigen Aufklärungsgespräche ist eine gute Verständigung zwischen Arzt und Patient erforderlich.“ Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung fordert daher „schon aus Gründen der Patientensicherheit fachbezogene, praxisorientierte und breite Sprachkenntnisse zur Patientenkommunikation“ und ist davon überzeugt, dass der Einsatz des in Baden-Württemberg bereits etablierten Patientenkommunikationstests „die Kommunikation im Klinikalltag nachhaltiger und bedarfsorientierter“ verbessert als eine Anhebung des Sprachniveaus auf Stufe C.

Am Universitätsklinikum Freiburg wurde bereits 2011 der Patientenkommunikationstest konzipiert und in Abstimmung mit dem baden-württembergischen Landesprüfungsamt im Rahmen der Freiburg International Academy eingeführt. Seitdem wurden 243 ausländische Ärzte geprüft. Durch eine gezielte Vorbereitung ausländischer Ärzte mit speziellen Fachsprachkursen sowie klinischen Hospitationen an Krankenhäusern konnte eine deutliche Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit im klinischen Einsatz erreicht werden. Dies spiegelt sich in einem Anstieg der erfolgreichen Testabschlüsse von initial 20 Prozent auf nunmehr 75 Prozent wider.

Der Freiburger Patientenkommunikationstest wird inzwischen als Nachweis ausreichender Sprachkenntnisse von den Bundesländern Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen anerkannt. Eingesetzt wird er mittlerweile an den Universitätskliniken Frankfurt am Main, Freiburg, Heidelberg, Jena, Tübingen und Ulm. Nach positiver Bewertung im Rahmen der Vorstellung in der Arbeitsgruppe „Berufe des Gesundheitswesens“ der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden am 5. Februar 2013 in Dresden wird nun die Einführung dieser Kommunikationsprüfung in weiteren Bundesländern diskutiert, unter anderem in Hessen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland.

Der Patientenkommunikationstest ist eine fachsprachliche mündliche und praktische Prüfung, bei der berufsbezogene Sprachkenntnisse im Rahmen von drei ärztlichen Fachkompetenzen – Anamneseerhebung, Patientenvorstellung und Patientenaufklärung – unter Einsatz von Schauspielpatienten praxisnah und authentisch bewertet werden. Die Bewertungskriterien des Patientenkommunikationstests basieren auf einem standardisierten Punktesystem (orientiert an ALTE – Association of Language Testers in Europe), das die kommunikativen und sprachlichen Kompetenzen im Hinblick auf Lesen, Sprechen und Hörverstehen unter Berücksichtigung von Sprachflüssigkeit, Wortschatz, Grammatik und Aussprache evaluiert. Somit prüft dieser Test nicht nur Fachsprachkenntnisse im Sinne von Fachwortschatz, sondern darüber hinaus deren praktische Anwendung (an Schauspielpatienten).

Jeder Prüfling kann zwischen zwei klinischen Patientenfällen aus der Allgemeinmedizin wählen. Nach einer Vorbereitungsphase erfolgt die mündliche Prüfung. Diese gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil erheben die Prüflinge eine komplette Krankengeschichte eines Schauspielpatienten. Diese soll dem Prüfer im Anschluss daran in kurzer Form vorgestellt werden. Die Aufklärung über einen diagnostischen oder therapeutischen Eingriff anhand eines standardisierten Originalaufklärungsbogens stellt den dritten Teil dar. Besonderes Augenmerk dieser Prüfung liegt auf der erfolgreichen Kommunikation mit den Patienten ohne Gebrauch von Fachausdrücken.

Der jetzige Patientenkommunikationstest hat sich bewährt und wurde inzwischen an mehreren Universitätskliniken in verschiedenen Bundesländern eingeführt. Damit besteht die Aussicht, einen bundesweit einheitlichen Standard des Kommunikationstests zu erreichen.

Dr. med. Nabeel Farhan, Klinik für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Freiburg,
nabeel.farhan@uniklinik-freiburg.de

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Avatar #91703
Trjavnamen
am Montag, 22. April 2013, 14:43

Mehr als nur B2-Niveau

Als kostenlose Hilfe und Begrüßungsgeschenk der Kassenärztlichen Vereinigunghalte halte ich den Patientenkommunikationstest als höcht willkommmen.
Als zusätzliche Hürde, für die Integration und der künstlichen Alleinstellung des Deutsche Arztes eine höchst wiederliche Perversität zumal Deutsche Ärzte mitunter auch nicht schaffen eine vernünftige und logische Anamnese zu schreiben.