ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2013Neues Vogelgrippe-Virus H7N9 sequenziert

AKTUELL: Akut

Neues Vogelgrippe-Virus H7N9 sequenziert

Dtsch Arztebl 2013; 110(15): A-692 / B-608 / C-608

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Nachdem eine wenig bekannte Variante des Vogelgrippe-Virus in China erste Menschenleben gefordert hat, haben die dortigen Gesundheitsbehörden eine umfassende Kooperation mit der Welt­gesund­heits­organi­sation angekündigt. Inzwischen ist es chinesischen Forschern gelungen, das Genom des Vogelgrippe-Virus H7N9 zu sequenzieren. Die Ergebnisse wurden auf der Plattform GISAID (Global Initiative on Sharing Avian Influenza Data) veröffentlicht.

Nach Recherchen des Wissenschaftsmagazins „Nature“ stammen die internen Gene von H9N2-Viren, die normalerweise bei Vögeln auftreten – unter anderem bei Hühnern (Nature, doi: 10.1038/nature.2013.12728). Die Gene hätten eine Ähnlichkeit mit Viren, die kürzlich in China und Südkorea gefunden wurden. Das Gen für das N-Protein zeige dagegen große Ähnlichkeit mit einem Vogelgrippe-Virus (H11N9), das zuvor in Südkorea, China und Tschechien gefunden wurde. Das H-Protein wiederum scheine aus einer eurasischen Gruppe von H7-Vogelgrippeviren zu stammen.

Damit könnte das neue Vogelgrippe-Virus H7N9 durch ein Reassortment aus drei unterschiedlichen Virusstämmen entstanden sein, die alle nur Vögel befallen. Dies ist ein deutlicher Unterschied zum Virus der Pandemie H1N1 2009/2010, in dem Gene aus Grippeviren von Vögeln, Schweinen und Menschen zusammengefunden hatten. Auch dieser Unterschied spricht gegen die Gefahr einer Epidemie.

Anzeige

Das H-Protein unterscheidet sich von dem Vogelgrippe-Virus und von dem H5N1-Virus, das Ende 2002 in großem Maß die Geflügelbestände in Asien befallen hatte. Virusforscher halten es für möglich, dass das neue Vogelgrippe-Virus H7N9 beim Geflügel zu asymptomatischen Infektionen führt, die deshalb nicht bemerkt werden. Menschen scheinen dagegen keine Immunität zu besitzen. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit dürfte jedoch gering sein, wenn, wie „Nature“ spekuliert, das Vogelgrippe-Virus H7N9 nur an Rezeptoren in den tiefen Atemwegen bindet. Im Fall einer Infektion scheint es aber zu einem schweren Krankheitsverlauf zu kommen, vergleichbar zum neuartigen Coronavirus (das aber mit den Grippeviren überhaupt nicht verwandt ist).

Wenn die Vogelgrippe H7N9 im Geflügel tatsächlich inapparent verläuft, dürfte sie in den Beständen nur schwer nachzuweisen sein. In diesem Fall könnte es weiter zu sporadischen Erkrankungen beim Menschen kommen. Ob dies der Fall ist, werden vielleicht die Untersuchungen der nächsten Wochen zeigen. Rüdiger Meyer

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema