ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2013Interessenkonflikte ausbalancieren
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Bemühungen um das Management von Interessenkonflikten (1) sind zu unterstützen. Sie sollten nicht nur für Leitlinien, sondern auch für Studien gelten wie die sehr groß angelegte PREFERE-Studie zur Behandlung von Patienten mit niedrig malignem oder frühem intermediären Risiko eines Prostatakarzinoms.

Die Analyse (2, 3) dieser Studie identifiziert verschiedene Interessenskonflikte:

  • keine Berücksichtigung der Zielgruppe
  • Gewinne durch unredliche Staatsgeschäfte
  • unzureichende Patientenautonomie
  • fehlender Patientennutzen
  • Minimierung von Schäden
  • Fairness der Zuteilungsgerechtigkeit
  • Abwälzung von Risiken
  • Anreize zu unerwünschten Effekten
  • asymmetrische Information.

Allerdings ist die Diskussion zur Vermeidung dieser Interessenskonflikte in der PREFERE-Studie zu komplex, um sie kurzfristig abzuschließen.

Bringt man den hervorragenden Aufsatz von Langer et al. mit den Konflikten der Sponsoren und Autoren der PREFERE-Studie zusammen, entsteht ein bedeutender Synergismus: Die PREFERE-Studie legt den Verdacht nahe, dass niemand frei von Interessenskonflikten ist. Der Urologe empfiehlt beim Prostatakarzinom häufiger die Operation als die Strahlentherapie oder das Zuwarten. Für den Strahlentherapeuten, den Internisten und die Patienten gelten analoge, aber andere Präferenzen. Jeder kann sich selbst ausmalen, wie die Studie aussähe, wenn einer der Partner bei der Gestaltung des Studiendesigns ausgeschlossen wäre.

Fazit: Interessenskonflikte werden immer auftreten. Sie lassen sich niemals vollständig vermeiden, können aber sehr wohl kontrolliert werden, wenn alle Akteure des Systems ihre Interessen darlegen können und ein faires Gremium einen ausbalancierten Interessenkonflikt herstellt. Dazu ist der uneingeschränkte Zugang zum Prüfplan einer Studie ein Muss. Wenn der Aufsatz von Langer und Kollegen diese Offenlegung des bislang geheim gehaltenen Plans bei der PREFERE-Studie erreicht, können die Autoren auf einen bedeutenden Erfolg bei der Lösung von Interessenskonflikten stolz sein.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0286a

Prof. Dr. med. Franz Porzsolt

AG Versorgungsforschung

Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

Universitätsklinikum Ulm

franz.porzsolt@uniklinik-ulm.de

Interessenkonflikt

Prof. Porzsolt ist Berater von den Firmen Lilly, Deutschland, und Servier, Deutschland. Er wurde honoriert für die Abfassung von Manuskripten zum Thema „Klinische Ökonomik“ von der Firma Lilly, Deutschland.
Kongressgebühren und Reisekosten wurden für ihn erstattet von der Firma
Lilly, Deutschland. Ihm wurde Studienunterstützung (Drittmittel) zuteil von der Firma Servier, Deutschland.

1.
Langer T, Conrad S, Fishman L, Gerken M, Schwarz S, Weikert B, Ollenschläger G, Weinbrenner S: Conflicts of interest among authors of medical guidelines—an analysis of guidelines produced by German specialist societies. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(48): 836–42. VOLLTEXT
2.
Porzsolt F, Braubach P, Flurschütz PI, Göller A, Sailer MB, Weiss M, Wyer P: Medical students help avoid the expert bias in medicine. Creative Education 2012; 3: 1115–21. CrossRef
3.
Porzsolt F: Risk management in health care—lessons learned from clinical economics. In: Huber M, Moormann C, Proske D (eds.): Proceedings of the 10th International Probabilistic Workshop. Stuttgart: Universität Stuttgart 2012.
1.Langer T, Conrad S, Fishman L, Gerken M, Schwarz S, Weikert B, Ollenschläger G, Weinbrenner S: Conflicts of interest among authors of medical guidelines—an analysis of guidelines produced by German specialist societies. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(48): 836–42. VOLLTEXT
2.Porzsolt F, Braubach P, Flurschütz PI, Göller A, Sailer MB, Weiss M, Wyer P: Medical students help avoid the expert bias in medicine. Creative Education 2012; 3: 1115–21. CrossRef
3.Porzsolt F: Risk management in health care—lessons learned from clinical economics. In: Huber M, Moormann C, Proske D (eds.): Proceedings of the 10th International Probabilistic Workshop. Stuttgart: Universität Stuttgart 2012.

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