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Wir danken Prof. Porzsolt für den Hinweis, dass Interessenkonflikte auch im Rahmen der Durchführung von klinischen Studien berücksichtigt werden müssen. Inwiefern bei der angesprochenen PREFERE-Studie Interessenkonflikte der Beteiligten eine Bedrohung des primären Interesses – durch valide Daten zu den verschiedenen Therapieoptionen die Entscheidungsfindung für die Patienten zu vereinfachen und somit die Versorgung insgesamt zu verbessern – darstellen, können wir nicht beurteilen. Dies war nicht Gegenstand unserer Arbeit (1). Den von Prof. Porzsolt zitierten Analysen (2, 3) zur PREFERE-Studie konnten wir darüber hinaus keine konkreten Kritikpunkte entnehmen.

Dem Fazit von Prof. Porzsolt, dass sich Interessenkonflikte durch ein „Ausbalancieren“ verschiedenster Interessen kontrollieren lassen, können wir dagegen nicht zustimmen. Bei Interessenkonflikten geht es definitionsgemäß darum, dass von den jeweiligen Entscheidungsträgern ein primäres Interesse (zum Beispiel Wohl des Patienten, zuverlässige Forschungsergebnisse) vorausgesetzt wird und ein Risiko besteht, dass die Entscheidungen durch andere (sekundäre) Interessen unangemessen beeinflusst werden. Die Vorstellung, verschiedene sekundäre Interessen „auszubalancieren“ widerspricht diesem Konzept.

Prof. Kopp und Prof. Kreienberg stimmen wir zu, dass von Hinweisen für einen Interessenkonflikt bei einzelnen Personen (zum Beispiel durch einen Beratervertrag) nicht automatisch auf verzerrte Leitlinieninhalte geschlossen werden kann. Wie die Kommentatoren selbst ausführen, geht es bei Interessenkonflikten nicht um den Nachweis einer tatsächlichen Verzerrung, sondern um ein Risiko für Verzerrungen, das heißt den Anschein von unangemessener Beeinflussung. Prüfstein von Strategien zum Umgang mit Interessenkonflikten – deren Entwicklung, Erprobung und Evaluation wir im Rahmen der AWMF-Leitlinien ausdrücklich begrüßen – sollte daher die Glaubwürdigkeit solcher Maßnahmen bei den Anwendern von Leitlinien sein.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0287

Dipl.-Soz.-Wiss. Thomas Langer

Leitlinienprogramm Onkologie,
Deutsche Krebsgesellschaft e. V.

Berlin
langer@krebsgesellschaft.de

Dipl.-Gesundheitswirtin Susann Conrad

Dr. med. Liat Fishman

Prof. Dr. rer. nat. Der. med. Günter Ollenschläger

Dr. rer. medic. Sabine Schwarz

Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ)

Interessenkonflikt

Dipl.-Soz.-Wiss. Langer war an der Erstellung mehrerer Leitlinien beteiligt, die in diesem Artikel untersucht wurden. Er ist bei der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. beschäftigt, die an der PREFERE-Studie beteiligt ist.

Prof. Ollenschläger ist Vorstand des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) und des Guidelines International Network (G-I-N).

Die übrigen Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Langer T, Conrad S, Fishman L, Gerken M, Schwarz S, Weikert B, Ollenschläger G, Weinbrenner S: Conflicts of interest among authors of medical guidelines—an analysis of guidelines produced by German specialist societies. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(48): 836–42. VOLLTEXT
2.
Porzsolt F, Braubach P, Flurschütz PI, Göller A, Sailer MB, Weiss M, Wyer P: Medical students help avoid the expert bias in medicine. Creative Education 2012; 3: 1115–21. CrossRef
3.
Porzsolt F: Risk management in health care—lessons learned from clinical economics. In: Huber M, Moormann C, Proske D (eds.): Proceedings of the 10th International Probabilistic Workshop. Stuttgart: Universität Stuttgart 2012.
1.Langer T, Conrad S, Fishman L, Gerken M, Schwarz S, Weikert B, Ollenschläger G, Weinbrenner S: Conflicts of interest among authors of medical guidelines—an analysis of guidelines produced by German specialist societies. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(48): 836–42. VOLLTEXT
2.Porzsolt F, Braubach P, Flurschütz PI, Göller A, Sailer MB, Weiss M, Wyer P: Medical students help avoid the expert bias in medicine. Creative Education 2012; 3: 1115–21. CrossRef
3.Porzsolt F: Risk management in health care—lessons learned from clinical economics. In: Huber M, Moormann C, Proske D (eds.): Proceedings of the 10th International Probabilistic Workshop. Stuttgart: Universität Stuttgart 2012.

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