ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2013Ergänzungen zur Therapie
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Das Tourette-Syndrom gehört zwar nicht zu den häufigen Störungen, die man in der KJP sieht, aber sicherlich zu den Störungen, die schwierig zu behandeln sind und mit einem hohen Suizidrisiko verbunden sind. Ergänzen möchte ich, dass bei der Behandlung dieser komplexen Störung auch eine Kombinationstherapie verschiedener Medikamente sinnvoll sein kann. Zur Behandlung der Zwangssymptomatik ist wichtig, dass der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) bei dieser Indikation sehr hoch dosiert wird (Fluoxetin zum Beispiel auf 60 mg) und man lange zuwartet (acht Wochen oder mehr), da sonst nicht wirklich beurteilt werden kann, ob die Medikation wirkt. Eine niedrige Dosierung oder schnelles Absetzen sind häufige Fehler.

Zudem ist wichtig zu beurteilen, ob die Tic-Symptome echte Tics sind oder Zwangsverhaltensweisen im Rahmen der Zwangsstörung, da tic-ähnliche Zwänge auftreten können (zum Beispiel Naserümpfen, Augenzukneifen), die als Tics fehlinterpretiert werden. Andere Ursachen für Tics sollten unbedingt ausgeschlossen werden (direkte Drogen- oder Medikamentenwirkung beziehungsweise eine andere Grunderkrankung (zum Beispiel Chorea Huntington oder postvirale Encephalitis). Eine ausführliche somatische Diagnostik inklusive MRT (Ausschluss von Tumoren) ist sinnvoll.

Neben Verhaltenstherapie und Medikation ist eine gute Psychoedukation – auch der Familie – sinnvoll.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0285a

Giulio Calia, Drensteinfurt, calia@klinik-walstedde.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Ludolph AG, Roessner V, Münchau A, Müller-Vahl K: Tourette syndrome and other tic disorders in childhood, adolescence and adulthood. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(48): 821–8. VOLLTEXT
1.Ludolph AG, Roessner V, Münchau A, Müller-Vahl K: Tourette syndrome and other tic disorders in childhood, adolescence and adulthood. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(48): 821–8. VOLLTEXT

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