ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2013Roche: Diagnostika versprechen Wachstum

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Roche: Diagnostika versprechen Wachstum

Dtsch Arztebl 2013; 110(16): A-792 / B-688 / C-688

Stüwe, Heinz

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Die Erweiterung des Biotechnologiezentrums Penzberg in Bayern wird die Produktionskapazität des Roche-Konzerns für Komponenten immunologischer Tests verdoppeln.

Sollten wir die neue Fabrik nicht besser in China bauen, wo das Geschäft explodiert?“ Das sei er von den eigenen Leuten gefragt worden, erzählte Dr. Franz B. Humer. Der Verwaltungsratspräsident der Roche Holding AG blieb den Gästen, die sich aus Anlass der Grundsteinlegung für ein neues Diagnostika-Produktionsgebäude Anfang März nicht in Schanghai, sondern in Penzberg, unweit des Starnberger Sees, eingefunden hatten, seine Antwort nicht schuldig: In China entstehe keine Innovation. „Hier aber haben wir eine Infrastruktur und Mitarbeiter, die man auf der ganzen Welt suchen muss.“

Bedarf an Immuntests steigt

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Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer vernahm mit Genugtuung, dass der oberste Konzernlenker aus Basel die Unterstützung der Politik und ihn persönlich ausdrücklich lobte. Selbstverständlich war das nicht. Zieht nicht die Pharmabranche derzeit alle Register, um den gesetzlichen Zwangsrabatt für die Krankenkassen zu Fall zu bringen? Doch Humer suchte an diesem sonnigen Märztag keinen Streit, sondern sprach nur von der „Unsicherheit über Preise“, die ihm in Deutschland Sorge bereite. Um weiter in Innovation zu investieren, sei Patentschutz am wichtigsten. Seehofer sicherte ihm jede Unterstützung zu, „wenn es darum geht, geistiges Eigentum zu schützen“.

Mit der Entscheidung für die 200-Millionen-Euro-Investition in Penzberg reagiert Roche nach Humers Worten auf die weltweit steigende Nachfrage nach Einsatzstoffen und Reagenzien, die für immunologische Tests in Labors und Krankenhäusern verwendet werden (siehe Kasten). Die Roche-Umsätze seien hier seit 15 Jahren mit zweistelligen Raten gewachsen. Mit Geräten und Einsatzstoffen für fast 100 verschiedene immunologische Tests hat der Schweizer Konzern zuletzt 2,3 Milliarden Franken umgesetzt (1,88 Milliarden Euro), 15 Prozent mehr als 2011. „Pro Sekunde werden auf mehr als 40 000 Testsystemen weltweit mehr als 30 Immuntests von Roche durchgeführt“, berichtete Roland Diggelmann, Chief Operating Officer für Diagnostika und Mitglied der Konzernleitung, stolz. Der größte Teil der Reagenzien und Einsatzstoffe wird in Penzberg produziert. Der Neubau mit 120 Arbeitsplätzen soll nun die Produktionskapazität ungefähr verdoppeln. Von den mehr als 5 000 Arbeitsplätzen am Standort ist jeder zweite seit 1998 entstanden.

Roche will weiter in neue und verbesserte Testverfahren investieren. Heutige Tests analysieren in der Regel nur ein Antigen. Das reiche für valide Aussagen aber nicht immer aus, sagte Dr. Joachim Eberle, Leiter Forschung und Entwicklung Professional Diagnostics. „Wir arbeiten an der Kombination verschiedener Biomarker.“ Gute Aussichten, so die klinische Empfindlichkeit zu erhöhen, gebe es zum Beispiel bei Tests auf Dickdarmkrebs.

Personalisierte Medizin

Das Konzept der Personalisierten Medizin hat Roche in die Konzernstrategie aufgenommen. „Für neue Arzneimittel wollen wir Begleitdiagnostika entwickeln, um ihre Wirksamkeit für bestimmte Patientengruppen, zu testen“, stellte Diggelmann heraus. Im Blick auf die frühe Nutzenbewertung von Arzneimitteln sieht er Hersteller, die Diagnostik und Therapie kombinieren, bei der Zulassung neuer Wirkstoffe künftig im Vorteil. Von circa 200 gemeinsamen Projekten der Pharma- und der Diagnostikasparte von Roche sind 80 in Penzberg angesiedelt, wo beide Divisionen vertreten sind.

Mit Diagnostika hat Roche im vergangenen Jahr etwa ein Viertel des Konzernumsatzes von 45,5 Milliarden Schweizer Franken (37,3 Milliarden Euro) erzielt. Das fünfprozentige Wachstum der gesamten Sparte verdeckt die Probleme bei Blutzuckermessgeräten und Diabetes-Teststreifen, wo es einen Umsatzrückgang um vier Prozent gab. Der ist zurückzuführen auf Billigangebote aus China und Taiwan sowie auf die Tatsache, dass in Deutschland nichtinsulinpflichtige Typ-2-Diabetiker Teststreifen neuerdings selbst zahlen müssen. Insgesamt seien Diagnostika aber ein wachsender Markt, versicherte Diggelmann. Roche wolle stärker als der Markt wachsen.

Heinz Stüwe

Smarties im Stadion

In einer randvoll mit roten Smarties gefüllten Münchener Fußballarena zwei grüne zu erkennen – das entspricht der analytischen Empfindlichkeit von immunologischen Tests, heißt es beim Hersteller Roche, der sich mit 20 Prozent Anteil bei In-vitro-Diagnostik in der Rolle des Weltmarktführers sieht. Als Nachweistechnologie setzt Roche insbesondere die Elektrochemilumineszenz (ECL) ein. Dabei werden durch elektrischen Strom im Analyt kontrollierte Antigen-Antikörper-Reaktionen hervorgerufen, wodurch Lichtsignale entstehen, die gemessen werden. Auf Basis dieser Technik baut Roche voll automatisierte Laborarbeitsplatzlösungen. Die Einsatzgebiete reichen von der Virologie über die Kardiologie bis zu Tumor-Markern. Beispiele sind der Herzmarker Troponin T in der Infarktdiagnostik, die Prüfung der Schilddrüsenfunktion und Tests auf Hepatitis und HIV.

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