ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2013Börsebius: Einschlaggefahr

GELDANLAGE

Börsebius: Einschlaggefahr

Dtsch Arztebl 2013; 110(16): A-793 / B-689 / C-689

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Mal ehrlich: Für Anleger wie du und ich war die jüngste Rettungsgeschichte Zyperns eigentlich von eher zweifelhaftem Wert. Ja klar, schön gruseln war inklusive, weil das Drehbuch so wunderbar katastrophal den Dilettantismus so mancher Teilnehmer schonungslos offenlegte. Aber vermutlich hat niemand aus der geneigten Leserschaft mangels „echten“ zyprischen Kontos vor Angst wirklich bibbern müssen, und das wird wohl auch bei der jüngsten medialen Sau so sein, die gerade durchs globale Dorf getrieben wird. Ich meine natürlich die sagenhafte Entblößung illustrer Steueroasen durch Offshore-Leaks, in denen sich die Reichen und Superreichen samt ihrer Kohle verstecken konnten, Mauritius, Guernsey, Singapur lassen schön grüßen. Macht nichts, wir waren und sind eh nicht dabei, trotz der Deutschen Bank vor Ort.

Der Schwarzgeldbesitzer hierzulande, der noch Wert auf Sitte und Anstand legte, brachte seine unversteuerten Schäfchen nämlich viel lieber ins nachbarliche Ausland. Doch, oh Schreck, nun droht auch hier Ungemach von der ernsteren Sorte. Luxemburg wird aus dem Verbund steuerlich interessanter Oasen neben der Haustür ausscheren und damit in Europa eine Vorreiterrolle übernehmen. Ab übernächstem Jahr werden alle Zinserträge – auch – an die deutschen Finanzämter gemeldet.

Das werden sicher etliche Sparer sein, denen diese neue Entwicklung Kopfzerbrechen bereitet. Irgendwie muss das Geld vor diesem Termin aus den relevanten Computern raus, koste es, was es wolle. Allerdings sind die möglichen Fluchtwege Österreich und die Schweiz auch nicht mehr bombensicher, weil der Druck auf diese Staaten ziemlich steigt und die Informationsaustauschdämme bei diesen Nachbarn nicht mehr so stabil erscheinen wie bislang gedacht. Irgendwelche Amnestieregelungen sind derzeit auch nicht in Sicht. Kurzum: Die Einschläge kommen immer näher.

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Gönnerhaft verlautbart denn auch Luxemburgs Premier, Jean-Claude Juncker, man könne „ohne größeren Schäden“ diesen Austausch zum 1. Januar 2015 einführen. Stimmt aber nicht. In Wahrheit gehen Luxemburg gewaltige Summen verloren, denn bisher lebte Luxemburg nämlich genau davon, dass auf nichtdeklarierte Einkünfte 35 Prozent Quellensteuer einbehalten wurden. Das fällt nach der neuen Regelung dann komplett weg.

Stopp, wird der aufmerksame Leser jetzt vielleicht sagen, diese Quellensteuer wird doch wohl an den Fiskus, wessen Landes auch immer, abgeführt oder nach einem bestimmten Schlüssel verteilt, oder? Von wegen, bisher hatte Luxemburg für „administrativen Aufwand“ 25 Prozent (von 35) für sich einbehalten und nur den Rest anonym an EU-Länder verteilt. Ein tolles Geschäftsmodell. Das ist nicht nur eine Frechheit, das ist ein regelrechter Skandal.

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