ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2013Reisemedizin: Umfassendes Werk mit klarer Gliederung

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Reisemedizin: Umfassendes Werk mit klarer Gliederung

Dtsch Arztebl 2013; 110(16): A-782 / B-682 / C-682

Cramer, Jakob

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Dies ist ein gelungenes, umfassendes Werk über Reisegesundheit und Reisemedizin. Neben den Kerninformationen zur Malariaprophylaxe und zu Impfungen findet man Kapitel zur Flug-, Tauch-, Höhen- und maritimen Medizin oder zu Giftpflanzen und Gifttieren. Wichtigen Aspekten, wie beispielsweise Arbeiten in der humanitären beziehungsweise Entwicklungshilfe, Forschungsaufenthalten oder dem Medizintourismus, sind ebenfalls eigene Kapitel gewidmet. Und selbst zu speziellen, aber durchaus relevanten Themen, wie Badeunfällen durch Außenbordmotoren, psychischen Belastungen bei Flugangst oder Stendhal-Syndrom, befinden sich Hinweise. Auch nicht medizinische Themen, wie Versicherungsschutz auf Reisen, werden abgehandelt.

Neben der breiten Information sind insbesondere die klare Gliederung und die vielen hilfreichen Tabellen und Abbildungen zu erwähnen. So gibt es zahlreiche Karten – unter anderem zu FSME-Verbreitungsgebieten in Deutschland und Europa oder zum weltweiten Vorkommen von Hepatitis A und Yersinia pestis. Zwei thematische Schwerpunkte im Buch widmen sich der zunehmenden Reisetätigkeit von speziellen, vulnerablen Populationen: Reisen in der Schwangerschaft beziehungsweise mit Kindern sowie Reisen mit Vorerkrankungen. Chronische Erkrankungen sind einerseits oft mit einem besonderen Risiko für Komplikationen bei Infektionskrankheiten assoziiert. Andererseits stellt der zunehmende Einsatz von immunsupprimierenden (etwa nach Organtransplantation) oder immunmodulierenden Medikamenten (bei Autoimmunerkrankungen) den Reisemediziner nicht zuletzt in Bezug auf die Impfempfehlungen vor große Herausforderungen. Ausführlichere Informationen, etwa zu monoklonalen Antikörpern und Impfungen, wären wünschenswert gewesen.

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Etwas ungenau sind die Empfehlungen zur Malarianotfalltherapie. Hier wird eine Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) wiedergegeben, in der die Malariagebiete je nach Übertragungsrisiko in Malariaprophylaxe- oder Notfalltherapie-Regionen eingeteilt werden. Das genannte Dihyroartemisinin/Piperaquin (D/P) wird jedoch gegenwärtig von der DTG nicht zur Selbsttherapie empfohlen, da eine EKG-Kontrolle unter Behandlung empfohlen wird. D/P kann aber sehr gut bei der ärztlichen Malariabehandlung eingesetzt werden. Zur notfallmäßigen Selbsttherapie oder Prophylaxe sind neben dem D/P noch weitere Medikamente aufgelistet (Mefloquin, Doxycyclin), die ebenfalls in erster Linie nur für die ärztliche Behandlung der Malaria infrage kommen. Auch sollte in Bezug auf die Entamoeba-histolytica-Therapie darauf hingewiesen werden, dass Tinidazol in Deutschland nicht mehr im Handel erhältlich ist und dass Paromomycin zur Darmdekontamination (Eliminierung von potenziell verbleibenden Zysten), nicht aber zur Behandlung der klinischen Amöbenruhr geeignet ist. Ferner empfiehlt die WHO nicht mehr generell eine Gelbfieberimpfung bei Reisen nach Tansania.

Insgesamt ist dieses gut lesbare Werk nicht nur allen reisemedizinisch aktiven Ärzten zu empfehlen, es ist auch ein wertvolles Lehr- und Nachschlagwerk für alle Reisefreudigen, die sich für gesundheitliche Aspekte bei Kurz- und Fernreisen interessieren. Jakob Cramer

Tomas Jelinek (Hrsg.): Kursbuch Reisemedizin. Thieme, Stuttgart, New York 2012, 544 Seiten, gebunden, 129,99 Euro

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