ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2013Arzneimittelversorgung: KBV-ABDA-Konzept läuft an

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Arzneimittelversorgung: KBV-ABDA-Konzept läuft an

Dtsch Arztebl 2013; 110(16): A-754 / B-661 / C-661

Osterloh, Falk

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Vor zwei Jahren haben KBV und ABDA ihr Konzept zur Umstrukturierung der Arzneimittelversorgung vorgestellt. In den Bundesländern Sachsen und Thüringen soll es nun ab dem dritten Quartal dieses Jahres erprobt werden.

Es ist ein Konzept, mit dem die Arzneimittelversorgung in Deutschland grundlegend umstrukturiert werden soll. Statt Arzneimittel sollen niedergelassene Ärzte künftig Wirkstoffe verordnen. Die entsprechenden Präparate sollen die Apotheker dann anhand eines Medikationskataloges heraussuchen, der die Standardwirkstoffe für alle versorgungsrelevanten Indikationen enthält. Bei multimorbiden Patienten, die mehr als fünf Arzneimittel einnehmen, soll zudem die Gesamtmedikation erfasst werden, um unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu identifizieren und die Compliance zu steigern. Durch weniger Krankenhauseinweisungen, eine flächendeckende Umstellung auf Generika und eine bessere Therapietreue soll ein Milliardenbetrag eingespart werden.

Sachsen und Thüringen

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Ausgearbeitet haben dieses Modell – vor mittlerweile zwei Jahren – die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die ABDA-Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (siehe DÄ, Heft 16/2011). Im Anfang 2012 in Kraft getretenen GKV-Versorgungsstrukturgesetz (VStG) hat der Gesetzgeber die Möglichkeit eröffnet, das Konzept in dem Bezirk einer Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zu erproben. Nachdem mehrere Interessenten zwischenzeitlich abgesprungen waren, haben Anfang dieses Jahres die KVen und die Landesapothekerverbände von Sachsen und Thüringen sowie die in beiden Bundesländern tätige AOK-Plus die von KBV und ABDA ausgearbeiteten Eckpunkte des Konzepts unterschrieben.

Die im VStG verankerten Voraussetzungen zur Durchführung des Modellprojekts hätten viele Interessenten abgeschreckt, erklärten die Projektpartner gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt – insbesondere die Vorgabe, dass alle Krankenkassen des KV-Bezirks das Projekt hätten mittragen müssen, und die Möglichkeit, bei Nichteinigung das Schiedsamt anzurufen. Daher gründe sich das Projekt in Sachsen und Thüringen nicht auf den mit dem VStG eingeführten § 64 a Sozialgesetzbuch (SGB) V, sondern allein auf § 63 SGB V.

Die Projektpartner erhoffen sich eine „deutliche Verbesserung der Therapietreue“. Mit dem Medikationskatalog solle dem Arzt zudem „eine leitliniengerechte Therapie ohne Regressangst ermöglicht werden“. Die Ausgaben für das Modellvorhaben sollen durch einen effizienteren Einsatz der Arzneimittel gedeckt werden.

Angemessene Vergütung

Weshalb sich zwei KVen an dem Modell beteiligen, erklären die Projektpartner mit dem vergleichsweise hohen Alter der Bevölkerung in den beiden Ländern und der damit einhergehenden höheren Morbidität. Diese wiederum führe dazu, dass der Arzneimittellverbrauch bundesweit mit am höchsten sei.

Die einzelnen Aspekte des Konzepts wollen die Projektpartner nun schrittweise umsetzen. Im dritten Quartal dieses Jahres sollen zunächst die Wirkstoffverordnung und der Medikationskatalog starten, im vierten Quartal das Medikationsmanagement. Wie das Konzept konkret in die Versorgung zu bringen ist, wird zurzeit von den beteiligten Akteuren abgestimmt. Wie viele Ärzte, Apotheker und Patienten beispielsweise an dem Projekt teilnehmen werden, wie Ärzte und Apotheker im Austausch stehen werden oder wer die Therapietreue der Patienten überwacht und deren Medikationsplan aktualisiert. Noch verhandelt wird zudem, wie die in den Eckpunkten geforderte angemessene Vergütung sein soll. Auch die Laufzeit des Modellvorhabens steht noch nicht fest.

Klar ist hingegen bereits, dass die Wirkstoffverordnungen durch den Arzt aus dem gewohnten Prozess heraus in seinem Praxisverwaltungssystem erstellt werden sollen, wie die Projektpartner erklären. Denn der Arzt solle sich an kein neues Prozedere gewöhnen müssen.

Falk Osterloh

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