ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2013Kolorektales Karzinom: Biomarker für Indikation zur adjuvanten ASS-Gabe

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kolorektales Karzinom: Biomarker für Indikation zur adjuvanten ASS-Gabe

Dtsch Arztebl 2013; 110(16): A-776 / B-676 / C-676

Gulden, Josef

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Die adjuvante Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS) kann bei Patienten mit kurativ entferntem Kolonkarzinom die klinischen Resultate verbessern. ASS hemmt die Prostaglandin-Endoperoxid-Synthase 2, auch Cyclooxygenase 2 (COX-2) genannt, wodurch die Aktivität der Phosphoinositol-3-Kinase (PI3K) herunterreguliert wird. PI3K ist in vielen Tumoren überaktiv. In manchen Darmtumoren ist das Gen für die katalytische α-Untereinheit von PI3K (PI3KCA) mutiert, und hier wurde ein Zusammenhang zur rezidivprophylaktischen Wirkung von ASS vermutet.

Ein Team aus US-amerikanischen und japanischen Forschern hat von 964 Patienten aus der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-up Study, die an einem Tumor von Kolon oder Rektum erkrankt waren, Daten zum ASS-Gebrauch nach Diagnose sowie zu verschiedenen tumorgenetischen Markern analysiert. Bei 17 % der Patienten wurden Mutationen im PI3KCA-Gen nachgewiesen.

Nur bei ihnen fand man in einer multivariaten Analyse statistisch signifikante Korrelationen zwischen ASS-Einnahme nach Diagnose des Tumors und dem krebsspezifischen sowie dem Gesamtüberleben: Das Risiko für Tod durch das kolorektale Karzinom wurde bei diesen Patienten durch ASS um 82 % reduziert (Hazard Ratio [HR] 0,18; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,06–0,61; p < 0,001), das allgemeine Sterberisiko um 46 % (HR 0,54; 95%-KI 0,31–0,94; p = 0,01). Noch ausgeprägter war der Effekt bei einer COX-2-Expression im Tumor. Bei Patienten mit Wildtyp-PI3KCA dagegen gab es keinen Zusammenhang zwischen Überlebenschancen und ASS-Einnahme. Auch ASS vor der Diagnose schien keine Rolle zu spielen.

Krebsspezifische Mortalität (kolorektales Karzinom) bei Patienten mit und ohne rezidivprophylaktische ASS-Einnahme bei Vorliegen von PI3KCA-Mutationen
Krebsspezifische Mortalität (kolorektales Karzinom) bei Patienten mit und ohne rezidivprophylaktische ASS-Einnahme bei Vorliegen von PI3KCA-Mutationen
Grafik
Krebsspezifische Mortalität (kolorektales Karzinom) bei Patienten mit und ohne rezidivprophylaktische ASS-Einnahme bei Vorliegen von PI3KCA-Mutationen

Fazit: „Die Daten für diese molekularpathologisch-epidemiologische Studie wurden zwar retrospektiv erhoben, sie sind aber dennoch sehr vielversprechend“, kommentiert Prof. Dr. med. Volker Heinemann, München. Es seien jetzt dringend prospektive Tests auf die Frage hin notwendig, ob sich PI3KCA-Mutationen in kolorektalen Tumoren als Biomarker eigneten, um eine hohe Erfolgschance der adjuvanten ASS-Therapie für diese Patientengruppe vorherzusagen. Die Daten erlaubten bislang einen Rückschluss auf die Risikominderung durch ASS in der postoperativen Situation. Ob diese Wirkung auch bei metastasierter Erkrankung nachweisbar sei, bleibe vorerst unklar, sagt Heinemann. Josef Gulden

Liao X, et al.: Aspirin use, tumor PIK3CA mutation, and colorectal-cancer survival. NEJM 2012; 367: 1596–606. MEDLINE

Krebsspezifische Mortalität (kolorektales Karzinom) bei Patienten mit und ohne rezidivprophylaktische ASS-Einnahme bei Vorliegen von PI3KCA-Mutationen
Krebsspezifische Mortalität (kolorektales Karzinom) bei Patienten mit und ohne rezidivprophylaktische ASS-Einnahme bei Vorliegen von PI3KCA-Mutationen
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Krebsspezifische Mortalität (kolorektales Karzinom) bei Patienten mit und ohne rezidivprophylaktische ASS-Einnahme bei Vorliegen von PI3KCA-Mutationen

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