ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2013Qualität der Kataraktoperation: Sehr guter Visus bei fast allen Patienten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Qualität der Kataraktoperation: Sehr guter Visus bei fast allen Patienten

Dtsch Arztebl 2013; 110(16): A-776 / B-676 / C-676

Gerste, Ronald D.

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Kataraktoperationen sind in Industrieländern häufig. Das European Registry of Quality Outcomes for Cataract and Refractive Surgery (EUREQUO) erfasst die Resultate dieses Eingriffs – die meist altersbedingt getrübte Linse wird entfernt und durch eine Intraokularlinse (IOL) ersetzt – in 15 europäischen Ländern. In einer aktuellen Analyse wurden 368 256 im Register verzeichnete Kataraktoperationen ausgewertet, überwiegend aus Schweden, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich. Bei 93 % den im Durchschnitt 74 Jahre alten Patienten wurde eine postoperative Verbesserung der Sehschärfe erreicht, zum Teil war die Visusverbesserung stark ausgeprägt. Einen bestkorrigierten Visus von mindestens 0,5 hatten 94,3 % der Patienten. Weit mehr als die Hälfte (61,3 %) hatten sogar einen Visus von 1,0 oder besser. Ein solch guter Visus wurde sogar bei einem Drittel der sehr alten Patienten (90 bis 94 Jahre) erzielt, in einem Alter also, in dem normalerweise außer einer Katarakt weitere okuläre Komorbiditäten wie altersabhängige Makuladegeneration (AMD) vorliegen.

Komorbiditäten wie diese waren ein wichtiger Risikofaktor für ein suboptimales postoperatives Ergebnis (Odds Ratio [OR] 3,8), vergleichbar mit postoperativen Komplikationen (OR 4,5), unter denen ein zentrales Hornhautödem (0,14 %) die wichtigste war. Die wohl am meisten gefürchtete Komplikation der Kataraktoperation, die Endophthalmitis, hatte in dem Kollektiv eine Inzidenz von nur 0,044 %. Dies belegt nach Einschätzung der Autoren den hohen Sicherheitsstandard der Methode.

Fazit: Die visuellen Ergebnisse der in dem europäischen Register erfassten Kataraktoperationen sind einer Auswertung von mehreren Hunderttausend Eingriffen zufolge sehr gut: Ein hoher Anteil der Operierten hat postoperativ ein Sehvermögen von hundert Prozent, die Komplikationsraten sind gering.

Die Art der implantierten IOL wird allerdings im Register nicht erfasst, so dass keine Daten zu der Frage vorliegen, ob Patienten, die sich – meist als Selbstzahlerleistung – für eine sogenannte Premiumlinse (zum Beispiel eine multifokale IOL zum Fokussieren auf Ferne und Nähe) entscheiden, vergleichbare oder bessere Resultate aufweisen.

Ein „Nebenbefund“ der Studie dürfte nach Meinung der Autoren vor allem für die – meist jüngeren – Patienten relevant sein, die erwägen, einen refraktiven Eingriff an der Hornhaut durchführen zu lassen, um auf das Tragen von Brille oder Kontaktlinse verzichten zu können: Ein brechkraftverändernder Hornhauteingriff war statistisch deutlich mit einem eher schlechten Ergebnis der Kataraktoperation assoziiert. Eine chirurgisch erzielte „Brillenfreiheit“ schränkt möglicherweise die Erfolgsaussicht einer späteren Kataraktoperation ein.

Dr. med. Ronald D. Gerste

Lundström M, Barry P, Henry Y, et al.: Visual outcome of cataract surgery; Study from the European Registry of Quality Outcomes for Cataract and Refractive Surgery. J Cataract Refract Surg 2013, e-pub before print: doi: 10.1016/j.jcrs.2012.11.026. MEDLINE

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