ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2013Arabische Halbinsel: Oman – der Tradition verhaftet

KULTUR

Arabische Halbinsel: Oman – der Tradition verhaftet

Dtsch Arztebl 2013; 110(16): A-788

Scheiper, Renate V.

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Sultan Qabus investiert seit 42 Jahren die Öldollars des Landes in die Infrastruktur. Zwar wird auch dort emsig gebaut, aber maß- und stilvoll.

Masqat – Die Hauptstadt des Sultanats Oman kommt ohne himmelstrebende Wolkenkratzer aus. Foto: picture alliance/CHROMORANGE
Masqat – Die Hauptstadt des Sultanats Oman kommt ohne himmelstrebende Wolkenkratzer aus. Foto: picture alliance/CHROMORANGE

Glücklich ist mein Bauch!“ – „Badni mabsut!“, dankt im Oman der Gast nach einer Einladung – mögen es auch nur einige Datteln und ein Schälchen arabischen Kaffees sein. Öfter werden wir unterwegs auf der Reise durch das Land spontan bewirtet, mal nach der Besichtigung der prächtigen Wüstenfestung von Jabrin oder in Masqat im Al-Bustan-Palast in der Lobby. Dort unterhält ein Harfinist des Royal Oman Symphony Orchestra die Gäste. Das Royal Opera House wurde im November 2011 als erstes auf der arabischen Halbinsel vom kunst- und musikbegeisterten Sultan Qabus eröffnet.

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Überraschend schön ist Masqat, die Hauptstadt des Sultanats Oman, die nicht im Wettbewerb himmelstrebender Wolkenkratzer erstickt. Gerahmt vom Indischen Ozean im Südosten und den bis zu 3 000 Meter hohen gezackten Bergen des Hadschar-Gebirges im Nordwesten, wirken die oft marmornen Wohn- und Geschäftshäuser eher wie eingestreute orientalische Verzierungen. Zwar wird emsig gebaut, aber maß- und stilvoll nach dem Willen des klugen Sultan Qabus, blumenreich und mit grünen Parkanlagen. Im Volkskundemuseum zeigen Karten die Seerouten dieses schon vor 3 000 Jahren bedeutenden Handelsvolkes, das nach China Kupfer, nach Ägypten und ins römische Reich das Harz des Weihrauchstrauches „Boswellia sacra“ exportierte, das dort tonnenweise auf den Altären der Götter verbrannt wurde.

Viel Ungewöhnliches erleben wir auf dieser Reise durch das Reich von Sultan Qabus, der die Öldollars seit 42 Jahren in die Entwicklung seines Landes investiert: Schulpflicht für Mädchen und Jungen, Universitäten und Musikhochschulen, Gesundheitsfürsorge für alle Omani – alles kostenfrei. Unsere Karawane der sechs Landrover windet sich auf vierspurigen Autobahnen über Serpentinen in die Bergwelt des Hadschar-Gebirges mit einer Farbsymphonie aus allen Braun-, Ocker-, Zinnober-, Rot- und Gelbtönen. Mittags wird gepicknickt, mal auf einem Felsplateau in 2 000 Meter Höhe, mal in einer Palmenoase oder in einer Plantage, wo wir mit frischen Früchten verwöhnt werden. Das jahrtausendealte Afladsch-Bewässerungssystem, das auf der Liste des UNESCO-Kulturerbes steht, macht es möglich. Das Wasser unterirdischer Quellen wird mit geringem Gefälle oft bis zu 20 Kilometer in verzweigte Kanäle geleitet, von denen aus nach genau festgelegtem Zeitplan einzelne Felder bewässert werden. Neubauten mit allem Komfort ersetzen die alten Lehmhäuser der Bauern; nur einige sind erhalten und dienen als Museum.

Abends sind kleine, feine Hotels mit hervorragender Küche unsere Oasen. Auch der Komfort eines Wüstencamps verblüfft, das wie eine Fata Morgana in den unendlichen Weiten hoher Sanddünen liegt. Von Salalah im Südwesten des Landes aus führen Tagestouren zum Grab des Propheten Hiob und ins Hochland des Dhofar, wo der Weihrauchstrauch gedeiht. An der Küste verblüfft die Ausgrabung des antiken Hafens Sumharam, von dem aus das kostbare Harz verschifft wurde. Heute beherrschen Frauen in langen schwarzen Abayyas und mit Gesichtsmaske im Suq von Salalah das Geschäft mit Weihrauch – und sie verhandeln knallhart.

Renate V. Scheiper

Informationen:
www.studiosus.de

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