ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2013Bürokratieprojekt: Sprechstunde statt Papierkram

POLITIK

Bürokratieprojekt: Sprechstunde statt Papierkram

Dtsch Arztebl 2013; 110(16): A-759 / B-665 / C-665

Richter-Kuhlmann, Eva

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Etwa 14 Prozent ihrer gesamten Arbeitszeit verbringen Niedergelassene dem Ärztemonitor 2012 zufolge mit Verwaltungsarbeit. Foto: Fotolia/Thomas Perkins
Etwa 14 Prozent ihrer gesamten Arbeitszeit verbringen Niedergelassene dem Ärztemonitor 2012 zufolge mit Verwaltungsarbeit. Foto: Fotolia/Thomas Perkins

Die Bundesregierung will die Bürokratie in Arztpraxen reduzieren und hat dazu ein interdisziplinäres Projekt gestartet. Ergebnisse werden Ende des Jahres erwartet.

Rehaanträge, Anfragen zur Arbeitsunfähigkeit, Anträge auf Heil- und Hilfsmittel – der Stapel Papier, den Ärztinnen und Ärzte täglich bewältigen müssen, ist hoch und seine Bearbeitung kostet Zeit. Dass diese sinnvoller in die Behandlung von Patienten investiert werden könnte, meint auch die Politik. Gemeinsam starteten Ende März deshalb die Träger der Selbstverwaltung, das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, die Geschäftsstelle Bürokratieabbau, das Statistische Bundesamt und der Normenkontrollrat das Projekt „Mehr Zeit für Behandlung – Vereinfachung von Verfahren und Prozessen in Arztpraxen“.

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„Ärzte und Zahnärzte beklagen den steigenden bürokratischen Aufwand in ihren Praxen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Normenkontrollrats und Projektverantwortliche, Wolf-Michael Catenhusen. „Das ist wertvolle Zeit, die für Behandlung fehlt. Hier lohnt sich eine gemeinsame Anstrengung.“

Bis zum Herbst wird das Statistische Bundesamt niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten zum Zeitaufwand einzelner bürokratischer Abläufe in ihren Praxen befragen. Sowohl bundesrechtliche als auch selbstverwaltungsrechtliche Regelungen sollen dadurch auf den Prüfstand kommen.

Belastungen bewusst machen

„Wir freuen uns, dass auch die Bundesregierung erkannt hat, wie wichtig der Bürokratieabbau in Arztpraxen ist“, betonte Dipl.-Med. Regina Feldmann, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), zum Auftakt des Projekts. Auch im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) setze sich die KBV dafür ein, dass die durch die Beschlüsse des G-BA entstehenden Bürokratiekosten konsequent ermittelt und ausgewiesen würden. „Wir wollen bei allen Beteiligten das Bewusstsein für die ausgelösten Belastungen schärfen. Unser Ziel muss es sein, dass Ärzte und Psychotherapeuten in erster Linie Patienten behandeln und keinen Papierkram“, erklärte Feldmann.

Neben der KBV nehmen auch die Kassenärztlichen Vereinigungen Westfalen-Lippe, Bayerns und Niedersachsen an dem Projekt teil. „In Westfalen-Lippe haben wir in den letzten Jahren viele Erfahrungen beim Abbau der Bürokratie gesammelt und werden diese gerne im weiteren Projektverlauf aktiv einbringen“, sagte Dr. Thomas Kriedel, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe.

Dort treffen sich seit 2011 interdisziplinäre Arbeitsgruppen aus Vertretern der KV sowie der Barmer-GEK Nordrhein-Westfalen, um den bürokratischen Aufwand in Arztpraxen und Krankenkassen auf das Maß des Notwendigen zu reduzieren. Gesichtet werden dazu vor allem die formfreien Arztanfragen der Barmer-GEK wie auch die auf Bundesebene vereinbarten Mustervordrucke. „Es sitzen diejenigen gemeinsam an einem Tisch, durch deren Hände die Formulare im Alltag gehen. So können die Belange der Ärzte und der Krankenkassen sowie die des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen im Miteinander diskutiert und abgestimmt werden“, erklärte Kriedel.

Solche „Formularlabore“ hält auch Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer-GEK, für besonders wichtig: „Ärzte und Krankenkassen brauchen eine gemeinsame Sicht auf das Formularwesen. Diese entsteht nur, wenn man gewillt ist, dem anderen zuzuhören und seine Arbeitsweise kennenzulernen. Das Formularwesen darf nicht wie bisher – nämlich sehr lieblos und bürokratisch am grünen Tisch der Formularkommission – entwickelt werden.“

Online-Forum Bürokratieabbau

Die KBV möchte alle interessierten Ärztinnen und Ärzte einbeziehen. Bereits Ende 2012 hat sie ein interaktives Portal im sicheren Netz der KVen freigeschaltet, in dem man seine Erfahrungen beschreiben kann. Welche Anfragen abgeschafft werden sollten, kann ebenfalls vorgeschlagen werden. Die KBV prüft die Vorschläge auf Eignung und Umsetzbarkeit. „Wir möchten den Kolleginnen und Kollegen mehr Zeit für ihre Patienten ermöglichen. Weniger Bürokratie in den Praxen trägt entscheidend dazu bei“, betonte Feldmann. Das Thema Bürokratieabbau war auch ein zentrales Thema bei der KBV-Versorgungsmesse am 16. und 17. April in Berlin.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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