ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1996Gentechnik am Forschungszentrum Jülich: Neues Verfahren für endotoxinfreie Vakzine

POLITIK: Medizinreport

Gentechnik am Forschungszentrum Jülich: Neues Verfahren für endotoxinfreie Vakzine

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LNSLNSLNSLNS Zahlreiche Impfstoffe werden aus Teilen der Zellhülle abgetöteter Bakterien oder Viren hergestellt. Manche dieser Bestandteile können nur sehr schwer in reiner Form hergestellt werden. Probleme bereiten hierbei zelleigene Gifte (Endotoxine), die so fest gebunden sind, daß sie weder durch chemische Mittel noch durch Hitze abtrennbar sind. Mit einem gentechnischen Trick gelang es einer Arbeitsgruppe am Forschungszentrum Jülich, Eiweißmoleküle der Zellwand in reiner Form gezielt herzustellen.
Seit Jahren ist das harmlose Bakterium Staphylococcus carnosus in der Lebensmittelproduktion für die Konservierung von Wurstwaren im Einsatz. Dr. Jochen Meens gelang es, dem Bakterienstamm die genetische Information zur Bildung von Zell-hülleiweißen eines fremden Bakteriums zu übertragen. Die Information für die Bildung der Endotoxine wurde hierbei weggelassen. Es stellte sich heraus, daß der Organismus von Staphylococcus carnosus das fremde Eiweiß sowohl herstellen als auch in das Nährmedium ausscheiden kann. Unerwünschte Nebenprodukte – wie Endotoxine – entstehen bei dieser Produktionsweise nicht. Das hier angewendete Verfahren ist mit einem Huckepack-Transport vergleichbar. Enzyme oder Proteine, die in einer Zelle gebildet werden, benötigen Transportmoleküle, um die Zelle verlassen zu können. Besondere Peptide dienen hierbei als Transporthilfe. Die Jülicher Wissenschaftler koppelten die genetische Information von zwei Peptiden mit der Information eines Zellhüllproteins. Sie übertrugen diese Genkonstruktion in Zellen von Staphylococcus carnosus. Es stellte sich heraus, daß Staphylococcus carnosus das fremde Protein sowohl herstellen als auch mit Hilfe der beiden Peptide sehr effizient durch die Zellhülle schleusen kann. Dadurch wird das fremde Protein schnell in die Nährlösung abgegeben.
Dieses neue Verfahren hat zwei Vorteile: Zum einen können die ausgeschiedenen Proteine ohne großen Aufwand aus der Nährlösung isoliert werden, zum anderen sind die gewonnenen Zellhüllbestandteile frei von Endotoxinen. Daher sollten die so hergestellten Impfstoffe ohne Nebenwirkungen bleiben. Das Verfahren wurde patentrechtlich geschützt. EB

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