MEDIZIN: Diskussion

Ursache hoher Absatz

High Heels as a Cause

Dtsch Arztebl Int 2013; 110(17): 296; DOI: 10.3238/arztebl.2013.0296

Bajer, Dieter

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Nicht enge Schuhe bei Frauen sind häufig Ursache des Hallux valgus, sondern die höheren Absätze der Damenschuhe. Diese führen zu einer vermehrten Vorfußbelastung mit Überstreckung der Zehen und in Folge zu einer Spreizfußbildung, die wiederum eine mediale Abweichung des Metatarsale I bewirkt – metatarsus primus varus. Da die in den Sehnen des M.flexor hallucis brevis liegenden Sesambeine lateral durch das Intermetatarsalband mit dem II. Metatarsale verbunden sind, verändert sich dessen Zugrichtung und er wird ebenso wie der M.flexor hallucis longus langsam zum Adduktor und damit funktionellem „Bogenspanner“ der immer weiter nach lateral abweichenden Grundphalanx der Großzehe. Der M. Abduktor hallucis ist diesem Übergewicht nicht gewachsen, rutscht sohlenwärts ab und proniert dadurch die Grundphalanx.

Enge Schuhe werden meist als angenehm empfunden, weil sie den Vorfuß komprimieren und subjektiv mehr Halt erzeugen, sie wirken dem Spreizfuß sozusagen funktionell entgegen.

„Hammerzehe“ und „Krallenzehe“ sind keineswegs Folge der nach lateral abweichenden Großzehe, sondern definiert als Überstreckstellung im jeweiligen Zehengrundgelenk mit gleichzeitiger Beugekontraktur des Mittelgelenkes, wobei die Krallenzehe noch eine zusätzliche Kontraktur des Endgelenkes aufweist. Solche Zehendeformitäten treten unabhängig vom Hallux valgus auf, der auch zum Digitus superduktus der benachbarten Zehe führen kann.

Völlig sinnlos sind Nachtschienen, redressierende Schlaufensandalen und die empfohlenen Zehenrichter oder Zehenpolster, letztere stützen sich gegen die viel stärkere Großzehe ab und drücken somit lediglich die viel schwächere Nachbarzehe weiter nach lateral.

Die oft begleitende rheumatische Vorfußdeformität mit ausgeprägtem Hallux valgus und oft grotesken Achsabweichungen der übrigen Zehen stellt natürlich nicht nur keine Kontraindikation zur Operation des Hallux valgus dar, sondern eine viel härtere Indikation als bei dem nicht rheumatisch bedingtem Hallux valgus.

Leider sehen Orthopäden ohne rheumatische Zusatzbezeichnung viel zu selten solche Patienten, die neben den Zehendeformitäten und Achsabweichungen auch noch schwerste Spreizfüße mit extrem schmerzhaften Synovitiden und Arthritiden der Grundgelenke mit teilweise kompletter Zerstörung durch die entzündliche Aktivität der Grunderkrankung aufweisen.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0296

Dr. med. Dieter Bajer

Zeven, d.bajer-beckdorf@t-online.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren haben auf eine Schlusswort verzichtet.

1.
Wülker N, Mittag F: The treatment of hallux valgus. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(49): 857–68 VOLLTEXT
1.Wülker N, Mittag F: The treatment of hallux valgus. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(49): 857–68 VOLLTEXT

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