ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2013Impfung von Kleinkindern: Lokalisation der intramuskulären Injektion

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Impfung von Kleinkindern: Lokalisation der intramuskulären Injektion

Dtsch Arztebl 2013; 110(17): A-832 / B-722 / C-722

Meyer, Rüdiger

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Intramuskuläre Injektionen sind für Säuglinge und Kleinkinder häufig schmerzhaft. Viele Pädiater bevorzugen deshalb intuitiv die größere Muskulatur des Oberschenkels gegenüber dem Deltamuskel des Oberarms. Ob die Injektion des Kombinationsimpfstoffs gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis (DTaP-Impfung) in den Oberschenkel verträglicher ist als in den Oberarm, hat eine US-amerikanische Studiengruppe untersucht.

Die Forscher haben die Datenbank (Vaccine Safety Datalink) der Centers for Disease Control and Prevention ausgewertet: Dort sind für die Jahre 2002 bis 2009 Datensätze von sechs Millionen i.m.-Impfungen (außer DTaP auch Influenza und Hepatitis A) bei 1,4 Millionen Kindern gespeichert. Für die Altersgruppe von 12 bis 35 Monaten kam es nach einer DTaP-Impfung zu 88 % häufiger zu einem erneuten Arztbesuch aufgrund einer Lokalreaktion, wenn die Kleinkinder die Impfung in den Oberarm erhalten hatten statt in den Oberschenkel (relatives Risiko [RR] 1,88; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 1,34 bis 2,65). Auch in der Altersgruppe von 3 bis 6 Jahren war die Rate um 41 % (RR 1,41; 95-%-KI 0,84 bis 2,34) erhöht, allerdings war der Unterschied nicht statistisch signifikant, so dass ein Zufallsergebnis für diese Altersgruppe nicht ausgeschlossen werden kann.

Bei intramuskulären Impfungen gegen Influenza und Hepatitis A konnte – im Gegensatz zur DTaP-Vakzine – kein Unterschied in der Verträglichkeit bei den verschiedenen Lokalisationen der i.m.-Injektion festgestellt werden. In einer früheren Studie hatte das Forscherteam herausgefunden, dass weder Ibuprofen noch Paracetamol einer Lokalreaktion vorbeugen.

Fazit: „Obwohl Impfstoffe bei Kleinkindern millionenfach angewandt werden und der M. vastus lateralis intuitiv wegen der größeren Muskelmasse im Vergleich zum M. deltoideus als bevorzugter Injektionsort für i.m. zu verabreichende Adsorbat-Impfstoffe gilt, lag für dieses Vorgehen bislang keine ausreichende Evidenz vor“, kommentiert Prof. Dr. med. Markus Knuf, Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche, HorstSchmidt-Kliniken, Wiesbaden. Die Studie belege eindrucksvoll die bessere Verträglichkeit (und damit auch Akzeptanz) von i.m.-Injektionen in den Oberschenkel. Die schlechtere Reaktogenität nach Impfung in den Oberarm dürfte durch einen höheren Anteil subkutaner Injektionen bedingt sein. Kleinkinder sollten daher in den M. vastus lateralis geimpft werden, rät Knuf. Rüdiger Meyer

Jackson LA, Peterson D, Nelson JC, et al.: Vaccination site and risk of local reactions in children 1 through 6 years of age. Pediatrics 2013; 131: 283–9. MEDLINE

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