ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2013Dokumentation: Online-Portal eDoku gestartet

POLITIK

Dokumentation: Online-Portal eDoku gestartet

Dtsch Arztebl 2013; 110(17): A-817 / B-711 / C-711

Pfandzelter, Rupert

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Im Rahmen der Qualitätssicherung übermitteln Vertragsärzte die Daten zunehmend elektronisch. Ergänzend zur Praxissoftware steht hierfür jetzt auch ein von KBV und Kassenärztlichen Vereinigungen entwickeltes Online-Portal zur Verfügung.

Foto: Fotolia/rangizzz
Foto: Fotolia/rangizzz

Qualitätssicherung spielt in der vertragsärztlichen Versorgung eine zentrale Rolle: Zahlreiche Leistungen sind mit Qualitätssicherungsmaßnahmen verbunden, und neue werden hinzukommen. An Bedeutung gewinnt dabei die Dokumentation spezifizierter medizinischer Daten, die Ärzte an ihre Kassenärztliche Vereinigung (KV) übermitteln – seit einigen Jahren zunehmend in elektronischer Form. Diese Daten sind Grundlage für die Qualitätsmessung und für Rückmeldeberichte an die Vertragsärzte.

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Die ersten Qualitätssicherungsmaßnahmen, die eine solche elektronische Dokumentation vorsahen, waren Disease-Management-Programme und die Früherkennungskoloskopie. Für diese Leistungsbereiche, die viele Ärzte betreffen, entstand rasch ein Angebot der Hersteller von Praxissoftwaresystemen, die die vorgeschriebenen Dokumentationsbogen in ihre Programme integrierten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zertifiziert diese Software und bescheinigt damit, dass die enthaltene Dokumentation den Vorgaben der Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barungen und -richtlinien entspricht. Zusätzlich entwickelten einzelne KVen selbst Dokumentationslösungen, die regional genutzt werden konnten.

Drei Anwendungen verfügbar

Mittlerweile werden jedoch immer mehr Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barungen auch für Leistungsbereiche entwickelt, die nur wenige Vertragsärzte betreffen. Daher ist die Entwicklung von Dokumentationslösungen für einzelne KVen oft nicht wirtschaftlich. Aus diesem Grund haben die KBV und die KVen beschlossen, ergänzend zum Angebot der Softwarehersteller ein bundesweit verfügbares Online-Portal anzubieten, um so zu gewährleisten, dass alle betroffenen Ärzte schnell, einfach und sicher dokumentieren können. Das Portal wurde von der KBV entwickelt und steht seit Anfang 2013 unter dem Titel „eDoku“ für die ersten Anwendungsbereiche zur Verfügung: zunächst für die Molekulargenetik und die Evaluation der Sozialpsychiatrievereinbarung, seit 1. April auch für die Hörgeräteversorgung. Die KBV betreibt das Portal als technischer Dienstleister, der von den KVen beauftragt wird. Bei den KVen stößt das eDoku-Portal auf großes Interesse, die Mehrzahl der KVen bietet das Portal ihren Mitgliedern an.

Ärzte, deren KV das Online-Portal anbietet, können ihre Dokumentationen direkt im Portal vornehmen, speichern, an ihre KV senden und auch jederzeit wieder einsehen. Auf Basis ihrer Angaben erhalten die Ärzte Auswertungen und Rückmeldeberichte, auf die sie elektronisch zugreifen und die sie für ihr Qualitätsmanagement in der Praxis nutzen können. So kann im Rahmen der Hörgeräteverordnung ein automatisch vom Portal generierter personalisierter Patientenbrief ausgedruckt werden, der den Patienten über seine Diagnose und die Möglichkeiten der Hörgeräteversorgung in verständlicher Form informiert und auch auf die Notwendigkeit einer Nachuntersuchung beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt hinweist.

Flexible, sichere Technologie

Das eDoku-Portal ist im sicheren Netz der KVen verfügbar. Da sensible Daten erfasst und gespeichert werden, erfolgt der Zugang über einen KV-SafeNet1- oder einen KV-FlexNet-Anschluss, den einige KVen als Alternative zu KV-SafeNet anbieten. Beide Zugänge garantieren eine sichere Verbindung zur KV. Das eDoku-Portal ist eine rein webbasierte Anwendung, die unabhängig von der eingesetzten Praxissoftware verwendet werden kann. Für den Zugriff reicht ein herkömmlicher Internetbrowser.

Eine Innovation des Dokumentationsportals ist der erstmalige flächendeckende Einsatz des sogenannten Federal-Identity-Managements der KVen. Das bedeutet, dass ein Arzt zur Anmeldung am Portal grundsätzlich die Benutzerkennung verwenden kann, die er für alle Online-Angebote seiner KV nutzt.

Um Ärzten die Dokumentation in ihrer gewohnten Softwareumgebung zu ermöglichen, bietet das eDoku-Portal eine Schnittstelle an. Wenn Praxissoftwaresysteme die Dokumentationsbogen integrieren, können die Daten daraus direkt an das Dokumentationsportal der KBV übertragen werden. Einige Softwareanbieter haben bereits signalisiert, diese Möglichkeit ihren Kunden anbieten zu wollen. Der Vorteil: Es ist keine parallele Dokumentation in mehreren Softwaresystemen nötig.

Molekulargenetik: Mehr Leistungstransparenz: Ein erster Anwendungsbereich, für den das Online-Portal bereitsteht, ist die Molekulargenetik. Anfang 2011 wurde ein neuer Abschnitt 11.4 „Indikationsbezogene molekulargenetische Stufendiagnostik“ in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab aufgenommen. Ein wichtiger Bestandteil der begleitenden Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barung2 ist eine betriebsstättenbezogene Jahresstatistik zu Untersuchungen bei monogenen Erkrankungen. Die Jahresstatistik gibt beispielsweise Aufschluss darüber, wie viele Leistungen jeweils mit diagnostischen, mit vorgeburtlichen oder prädiktiven Fragestellungen durchgeführt wurden. Damit schafft diese Qualitätssicherungsmaßnahme Transparenz über die Entwicklung in diesem wachsenden hochspezialisierten Versorgungsbereich.

Die Jahresstatistiken werden ausgewertet und die Ergebnisse in verschiedenen Berichten zusammengefasst. Der Arzt bekommt einen Rückmeldebericht mit Auswertungsergebnissen für die gemeldeten Angaben zu seiner Betriebsstätte sowie – anonymisiert – mit Ergebnissen vergleichbarer Betriebsstätten. Die KVen können die Daten der teilnehmenden Ärzte ihres Zuständigkeitsbereichs einsehen und erhalten regelmäßig einen Bericht mit aggregierten Ergebnissen zur Umsetzung der Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barung und Durchführung von Qualitätssicherungsmaßnahmen.

Evaluation der Sozialpsychiatrievereinbarung: In der Vereinbarung zur ambulanten sozialpsychiatrischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen3 haben sich die KBV und der Spitzenverband der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung darauf geeinigt, die Leistungen wissenschaftlich zu evaluieren. Sämtliche an der Sozialpsychiatrievereinbarung teilnehmenden Ärzte sind verpflichtet, sich an der Evaluation zu beteiligen. Sie soll einen Überblick über die Praxisstrukturen, das Patientenkollektiv und die therapeutischen Maßnahmen liefern und beinhaltet daher mehrere Dokumentationsbogen, die ausschließlich pseudonymisierte Patientendaten enthalten. Für eine sichere Übermittlung der Daten sind die erforderlichen Dokumentationsbogen im eDoku-Portal verfügbar. Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung ist beauftragt, die Angaben zusammenzuführen und wissenschaftlich auszuwerten. Die Ergebnisse werden in einem Bericht dargestellt, der ausschließlich aggregierte Daten abbildet und einen Rückschluss auf einzelne Ärzte oder Patienten ausschließt.

Hörgeräteverordnung und Nachuntersuchung: Im Zuge der Aufnahme neuer Gebührenordnungspositionen zur Hörgeräteversorgung Anfang 2012 wird seit kurzem ein weiterer Anwendungsbereich im Portal angeboten: Ärzte, die an der Hörgerätevereinbarung4 teilnehmen, dokumentieren verschiedene Qualitätsparameter, beispielsweise zum Ergebnis von Sprachtests vor der Versorgung mit einem Hörgerät und bei der Kontrolluntersuchung nach der Hörgeräteanpassung. Zudem kann der Patient mittels eines Patientenfragebogens sein Hörempfinden in verschiedenen Alltagssituationen vor und nach der Hörgeräteversorgung bewerten, so dass der subjektiv empfundene Gewinn einer Hörgeräteversorgung ermittelt werden kann.

Seit Anfang Januar können Ärzte das Online-Portal eDoku nutzen. Die Rückmeldungen sind positiv: Die Nutzer bewerten das Dokumentationsportal als benutzerfreundlich und einfach. Dementsprechend ruhig geht es aktuell noch beim technischen Support zu, den die KBV bundesweit anbietet und der telefonisch und per E-Mail erreichbar ist. Dieser reibungslose Start ist auch darauf zurückzuführen, dass engagierte Vertragsärzte das Portal bereits im Oktober 2012 kritisch getestet haben. Die meisten der resultierenden Vorschläge wurden vom Entwicklerteam der KBV noch bis zum Produktivstart umgesetzt.

Dr. habil. Rupert Pfandzelter,
Dezernent, KBV, Dezernat 2 – Ambulante Qualitätsförderung und -darstellung

@Mehr Informationen unter:
www.kbv.de/edoku.html

1 KV-SafeNet steht nicht mit der Firma SafeNet, Inc., USA, in firmenmäßiger oder vertraglicher Verbindung.

2 Vereinbarung von Qualitätssicherungsmaßnahmen nach § 135 Absatz 2 Sozialgesetzbuch (SGB) V zur Erbringung von molekulargenetischen Untersuchungen bei monogenen Erkrankungen

3 Vereinbarung gemäß § 85 Absatz 2 Satz 4 und § 43 a SGB V über besondere Maßnahmen zur Verbesserung der sozialpsychiatrischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen

4 Vereinbarung von Qualitätssicherungsmaßnahmen nach § 135 Absatz 2 SGB V zur Hörgeräteversorgung

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