ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2013DRG-Einführung: „Insgesamt keine Belege für eine Verringerung der Qualität . . .“

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DRG-Einführung: „Insgesamt keine Belege für eine Verringerung der Qualität . . .“

Dtsch Arztebl 2013; 110(17): A-812 / B-707 / C-707

Flintrop, Jens

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Im Abschlussbericht der DRG-Begleitforschung ziehen die Autoren ein überaus positives Fazit zur Umstellung des Entgeltsystems in den Kliniken seit 2004.

Angesichts anderer eigener Erfahrungen dürfte sich so manche Ärztin, so mancher Arzt die Augen reiben: Die Ergebnisse der G-DRG-Begleitforschung sprächen eindeutig dafür, „dass viele der befürchteten negativen Auswirkungen von pauschalisierenden Vergütungssystemen, insbesondere hinsichtlich einer Verschlechterung der Qualität der Patientenversorgung, nicht eingetreten sind“, heißt im Abschlussbericht des IGES-Instituts zu den Auswirkungen der Umstellung des Entgeltsystems in den Kliniken seit 2004 (G-DRGs = German Diagnosis Related Groups).

Mit § 17 b Absatz 8 des Krankenhausfinanzierungsgesetzes hatte der Gesetzgeber den GKV-Spitzenverband, den PKV-Verband und die Deutsche Krankenhausgesellschaft verpflichtet, eine Begleitforschung zu den Auswirkungen der Einführung des neuen Vergütungssystems durchzuführen. Im Januar 2009 beauftragten die Selbstverwaltungspartner das IGES-Institut mit der Umsetzung des Forschungsauftrags. In ihrem dritten und letzten Forschungsbericht kommen die IGES-Wissenschaftler nun unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

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  • Auswirkungen auf Strukturen und Leistungen. Bereits vor der Einführung des DRG-Systems waren sowohl die Zahl der Krankenhäuser als auch die der Betten rückläufig. Dieser Trend habe sich zwischen 2003 und 2010 nahezu identisch fortgesetzt, heißt es im Gutachten. Auch die Verweildauer sank bereits vor 2004 in einem langjährigen, relativ stabilen Trend. Diese Entwicklung habe sich zwar fortgesetzt, aber eher noch abgeschwächt. Die Fallzahlen veränderten sich unmittelbar nach Einführung des DRG-Systems zunächst kaum, stiegen dann aber (2006−2008: jährlich um 2,1 Prozent, 2008−2010: jährlich um 1,5 Prozent). Sowohl bei der Fallzahl als auch beim Case-Mix hätten sich zudem zum Ende der Konvergenzphase hin „deutliche Verschiebungen“ hin zu Leistungen mit einem überdurchschnittlichen Sachkostenanteil gezeigt, halten die Autoren fest. Danach gab es insbesondere mehr Bandscheibenoperationen, mehr Defibrillatorimplantationen, mehr Endoprotheseneingriffe am Kniegelenk und mehr endovaskuläre Herzklappenimplantationen.
  • Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit. Die bereinigten Kosten der Krankenhäuser steigen seit 2004 weniger stark als im Zeitraum zwischen 1991 und 2003. Die aus dem DRG-System resultierenden Anreize zur wirtschaftlichen Leistungserbringung hätten die Krankenhäuser zu vielfältigen Reorganisationsmaßnahmen veranlasst, heißt es im Abschlussbericht.
  • Auswirkungen auf andere Versorgungsbereiche. In den Rehabilitationskliniken stieg der Anteil der Patientenzugänge aus dem Krankenhaus in der DRG-Einführungsphase (2004−2006) deutlich von 32,7 auf 40 Prozent, ist seit 2006 aber nahezu konstant geblieben. Da die Zahl der Fälle und der Pflegetage in den Rehakliniken aber sowohl vor als auch nach Einführung der Fallpauschalen stark schwanken, sehen die Autoren keine Belege dafür, dass es zu einer durch das DRG-System bedingten Übertragung von Leistungen aus der akutstationären Versorgung in den Bereich der Rehabilitation gekommen ist.
  • Auswirkungen auf die Qualität. Nach Auswertung der GKV-Routinedaten kommt die Begleitforschung zu dem Schluss, dass es durch die Einführung des DRG-Systems nicht zu einer systematischen Verschlechterung der Versorgungsqualität in Form von steigenden poststationären Mortalitätsraten kam. So habe die Sterblichkeit während eines stationären Aufenthaltes und bis zu 30 Tage danach im Jahr 2010 um 7,8 Prozent unter der im Jahr 2004 gelegen. Auch die nach § 137 Sozialgesetzbuch V von der externen Qualitätssicherung gemessenen und über den Zeitraum 2004 bis 2010 vergleichbaren Ergebnisqualitätsindikatoren zeigten eine „klar positive Entwicklung“. Das Gleiche gelte für die in die Untersuchung einbezogenen Indikatoren der Prozessqualität.

„Allen kritischen Voraussagen zum Trotz hat sich die Qualität stationärer Leistungen durch das seit 2004 geltende pauschalierende Vergütungssystem nicht verschlechtert“, folgern die gesetzlichen und privaten Krankenkassen sowie die Deutsche Krankenhausgesellschaft in einer Presseerklärung.

Jens Flintrop

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Redaktion Deutsches Ärzteblatt
am Freitag, 26. April 2013, 09:37

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