ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2013Honorararztwesen: Viel Gift und Galle
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. . . Dieser von viel Gift und Galle strotzende Kommentar begründet eben gerade die Abwanderung vieler Kollegen in die Selbstständigkeit mit all ihren Risiken. Solange Chefärzte solche Artikel verfassen, in denen sie Honorarärzte als „Freelancer“ oder „Rosinenpicker“ mit „grundlegenden fachlichen Defiziten“ bezeichnen, die nur ihre Gemütlichkeit im Sinne haben und fette Beute machen wollen, mehrheitlich aber ausgesprochen schlecht und gegen das Wohl der Patienten arbeiten würden, solange werden wohl weiter Kollegen aus den Angestelltenverhältnissen unseres Gesundheitswesens fliehen.

Nach über 30 Jahren anästhesiologischer Tätigkeit wurde auch mir von einem despotischen (!) Chefarzt eines christlich geführten Hauses die Arbeit in dieser Abteilung verleidet, und ich wagte deshalb den Sprung in die ungewisse Selbstständigkeit. Ich arbeite nun seit fünf Jahren (ohne Vermittler) auf der Basis von durchaus bezahlbaren Honorarverträgen, in denen meine Rechte und Pflichten sowie jedwede organisatorische Regelung durch die Chefärzte und Verwaltungen der einzelnen Häuser klar formuliert sind. Wenn Herr Dr. Andres sich darüber beklagt, dass sich durch Honorarärzte der Einsatz wissenschaftlicher und technischer Neuerungen und Standards erschwert, dann würde ich ein mögliches Organisationsverschulden durchaus auch auf der Seite der Fachabteilung . . . suchen wollen.

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Vielleicht noch ein Wort zum „finanziellen Schmarotzertum auf Kosten der Patientenversorgung“: Weiß es Herr Dr. Andres wirklich nicht besser, oder kennt er die Nachteile einer Abhängigkeit der Freiberufler vom Marktgeschehen und dem Kunden gegenüber nicht? Der freie Mitarbeiter trägt alle Kosten und Risiken seines „Geschäfts“ und der damit verbundenen notwendigen Mobilität sowie alle Versicherungen für Berufshaftpflicht, Krankheit und Altersversorgung in vollem Umfang selbst. Und auch die Krankenhäuser erarbeiten sich große Vorteile durch den Einsatz freier Mitarbeiter, indem die Häuser sie gezielt dort einsetzen, wo Personalengpässe eintreten, feste Mitarbeiter aber wegen der hohen Fixkosten nicht rentabel wären. Freie Mitarbeiter haben keine Kündigungsfristen und keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, da sie üblicherweise nur für einen speziellen Auftrag oder ein Projekt vertraglich gebunden werden . . .

Dr. med. Carola Dorgerloh, Freiberufliche Fachärztin für Anästhesiologie, 42117 Wuppertal

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