ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2013Freie Ärzteschaft: Kritik am System

POLITIK

Freie Ärzteschaft: Kritik am System

Dtsch Arztebl 2013; 110(17): A-816 / B-710 / C-710

Rieser, Sabine

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Mitglieder bemängeln die ausbleibende Diskussion über wichtige Prinzipien selbst im Bundestagswahlkampf.

Die Freie Ärzteschaft hat es sich zum Ziel gesetzt, die wirtschaftliche, berufsrechtliche und gesellschaftspolitische Situation der niedergelassenen Ärzte zu verbessern“ – so steht es ganz am Anfang ihres Strategiepapiers. Hindernisse für ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte durch Vorgaben im Gesundheitssystem und ihre Überwindungsmöglichkeiten standen deshalb im Mittelpunkt des Kongresses Freier Ärzte Mitte April in Berlin. Dessen Motto lautete: „Ärzte zwischen Rationierung und individueller Therapie – Gute Medizin braucht Freiheit und angemessene Finanzierung!“

Dauerbrenner Geld – noch gibt es keine festen Preise

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Präsident Wieland Dietrich bemängelte in seiner Einführung, dass vonseiten der Politik trotz des Bundestagswahlkampfs wenig Substanzielles zu wichtigen gesundheitspolitischen Themen zu hören sei. Vorstandsmitglied Dr. med. Axel Brunngraber widmete sich in seinem Vortrag den Dimensionen von ärztlicher Freiheit und kritisierte, man werde längst „auf allen Ebenen von nichtärztlichen Playern frustriert“.

Zur Verschlechterung der Lage trägt nach seinen Worten seit vielen Jahren eine „starke Öko­nomi­sierung“ bei – ein Thema, dem sich ebenfalls der Arzt und Medizinethiker Prof. Dr. med. Giovanni Maio in seinem von viel Zustimmung begleiteten Vortrag zur „Dominanz der Ökonomie über die Medizin“ widmete. Brunngraber räumte allerdings ein, niedergelassene Ärzte könnten „gar nicht anders als übers Geld reden“. Es brauche nämlich feste, kostendeckende Preise, die den tatsächlichen Aufwand für die Patienten abdeckten.

Deshalb forderte er, ein Kostenerstattungssystem einzuführen. Über entsprechende Systeme in Europa referierte Dr. Markus Schneider, Geschäftsführer des Basys-Instituts. Sein Fazit: Es komme auf die Ausgestaltung an; dass Kostenerstattung per se ineffizient und unsozial sei, könne er nicht bestätigen. Schneider verwies allerdings darauf, dass große Teile der Bevölkerung in Deutschland das Sachleistungssystem bevorzugten. Kostenerstattung als Wahloption werde diese Haltung nicht verändern.

Kritische Fragen musste sich im Rahmen einer Podiumsdiskussion Dr. med. Andreas Köhler gefallen lassen, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. „Feste Preise – das wird dauern“, stellte er mit Blick auf die Forderung der Freien Ärzte und die Haltung der Krankenkassen klar. „Sie haben immer den Eindruck, ich schlage mal auf den Tisch und die hüpfen, aber das ist nicht so.“

Köhler forderte, man müsse rasch Honorar von den spezialisierten Fachärzten zu den Basisversorgern umschichten und die Diskussion darum innerhalb der Ärzteschaft führen. Warte man, bis genug Geld von den Krankenkassen zur Verfügung gestellt sei, gebe es die Basisversorger sonst nicht mehr.

Sabine Rieser

OFFENER AUSTAUSCH

Die Freie Ärzteschaft versteht sich als Plattform für alle Ärztinnen und Ärzte, die sich austauschen wollen, den Interessen der Kollegen an der Basis eine Stimme geben und an Lösungen für Probleme der verschiedenen Berufsgruppen interessiert sind. Ihr Austausch erfolgt vor allem übers Internet. Die Freie Ärzteschaft ist eng verbunden mit facharzt.de; aus einem dortigen Diskussionsforum ist sie entstanden. Strategiepapier und weitere Informationen: www.freie-aerzteschaft.de

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