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Das Grundsatzpapier „Erwartungen der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten an eine zukunftssichere Gesundheitspolitik“ will mit dem Hausarzt als steuernde Stelle erreichen, dass „der einzelne Arzt wieder mehr Zeit für seine Patienten hat“, womit wohl kaum der Hausarzt gemeint sein kann. Denn wenn das wirklich funktioniert, ist die hausärztliche Praxis bald überlaufen. Dann können sich die Hausärzte nur schützen, indem sie eifrig an die Fachkollegen überweisen, womit die Verhältnisse bleiben, wie sie bereits sind. Der Brennpunkt der Zukunftssorgen ist aber keineswegs beseitigt: die Unterversorgung in ländlichen Gegenden.

Freiberufliche Ärzte und Psychotherapeuten, heißt es weiter, sollen als Präventionslotsen für ein effektives Selbstmanagement bei Menschen mit hohem Risiko fungieren. Abgesehen von der Unschärfe der Aussage frage ich mich, an welche psychischen Gesundheitsrisiken da gedacht und wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, sie zu erkennen. In der ärztlichen Praxis werden sie kaum erkannt, und zum Psychotherapeuten gehen die Menschen selten spontan. Erleben sie doch meist ihre psychischen Probleme in Form körperlicher Beschwerden. Außerdem, was soll der Psychotherapeut prophylaktisch tun? Die beste Vorsorge sind Familie und Gesellschaft. Viele Seelenbehandlungen wären nicht notwendig, wenn die gesellschaftlichen Verhältnisse den Menschen das notwendige Maß an Geborgenheit zur Verfügung stellen würden, um ein Leben in wirtschaftlicher Sicherheit und Unabhängigkeit zu führen. In der westlichen Gesellschaft erkranken die Menschen zunehmend am Verlust zuverlässiger Strukturen. Nur Solidarität kann hier weiterhelfen.

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An diesem Zustand wird kein noch so schlauer Kran­ken­ver­siche­rungstarif etwas ändern können. Die Ärzte dürfen sich nicht zu den Bütteln der aus den Fugen geratenden gesellschaftlichen Entwicklung machen lassen. Herumschrauben an Kran­ken­ver­siche­rungstarifen – jede Ge­sund­heits­mi­nis­terin, jeder Ge­sund­heits­mi­nis­ter hat sich darin geübt – hat rein gar nichts gebracht. Notwendig ist ein radikaler Schnitt in das Gesundheits(versicherungs)wesen.

Dr. med. Dieter Becker, 60439 Frankfurt

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