ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1996Diabetes-Therapie mit Rinderinsulin: Angst vor Übertragung von BSE ist unbegründet

POLITIK: Medizinreport

Diabetes-Therapie mit Rinderinsulin: Angst vor Übertragung von BSE ist unbegründet

EB

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LNSLNSLNSLNS Trotz der ganz überwiegenden und weiter zunehmenden Verwendung von Humaninsulin werden gegenwärtig in Deutschland noch rund 15 000 – zumeist ältere – Diabetiker mit Rinderinsulin behandelt. Aufgrund der derzeitigen Diskussion über die Entstehung der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE, "Rinderwahnsinn") wenden sich verunsicherte Diabetiker an ihre behandelnden Ärzte. Wie die Deutsche Diabetes-Gesellschaft jetzt aufgrund eines Briefwechsels mit den Herstellern mitteilt, besteht bei der Therapie mit Rinderinsulin keine Gefahr der Übertragung von BSE. Zur Zeit umfassen rinderinsulinhaltige Präparate 1,9 Prozent des Insulinmarktes. Von den Rinderinsulinen sowie den Kombinationspräparaten aus Rinder- und Schweineinsulin entfallen zur Zeit 67 Prozent auf Depot Insulin Hoechst, 11 Prozent auf Rapitard MC Novo Nordisk, 10,5 Prozent auf Komb-Insulin Hoechst, sieben Prozent auf Lente MC Novo Nordisk, vier Prozent auf (Alt-)Insulin Hoechst sowie 0,5 Prozent auf Ultralente MC Novo Nordisk.


Risikobeschränkung
Im Jahre 1991 erließ die Europäische Kommission eine "Richtlinie zur Minderung des Risikos der Übertragung von Erregern spongiformer Enzephalopathien durch Medizinalprodukte", in der gefordert wird, nur Tiere unter einem Alter von sechs Monaten zu verwenden. Am 16. Februar 1994 stellte das Bundesgesundheitsamt in Deutschland zusätzliche Sicherheitsanforderungen an Arzneimittel aus Körperbestandteilen von Rind, Schaf oder Ziege zur Vermeidung des Risikos einer Übertragung von BSE beziehungsweise Scrapie auf.
Die darin vorgeschriebenen "Abreicherungsverfahren" (Inaktivierungs- und Reinigungsschritte) müssen gewährleisten, daß die BSE-Erreger (Prionen?) selbst dann zuverlässig entfernt werden, wenn Organmaterial eines infizierten Tieres verwendet werden sollte. Die Wirksamkeit dieser Verfahrensschritte wird in eigenen Testansätzen durch vorherigen Zusatz von Hirnmasse erkrankter Rinder mit nachfolgender Applikation an Mäuse nach durchlaufener "Abreicherung" geprüft. Nach Angaben der Deutschen Diabetes-Gesellschaft erlaubt die Betrachtung der Summe aller Maßnahmen die Aussage, daß das Risiko einer BSE-Übertragung durch Rinderinsulin der Firmen Hoechst und Novo Nordisk ausgeschlossen werden kann. Denn Rinderinsulin wird ausschließlich aus dem Pankreas von Rindern aus BSE-freien europäischen Ländern gewonnen. Die verwendeten Organe stammen nur von Kälbern unter sechs Monaten, die nicht an BSE erkrankt sein können.
Laufende Validierungsstudien belegen, daß experimentell zugesetzte BSE-Erreger bei der Herstellung entfernt werden ("Abreicherung"). Außerdem ist die Menge des eingesetzten Organmaterials pro Dosis gering; und die Applikation erfolgt in der Regel subcutan oder intramuskulär. EB

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