ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2013Fluorchinolone zu oft verordnet
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Abweichend von wohlbegründeten Empfehlungen werden zu oft Fluorchinolone bei unkomplizierten Harnwegsinfekten verordnet. Das hat gravierende und negative Auswirkungen auf die epidemiologische Situation bei diesem Krankheitsbild.

Ursache für diese ärztliche Handlungsweise könnten auch die Musterabgaben der Industrie sein. Auf diesem Wege wurden in den letzten Jahren zahlreiche Fluorchinolone in den Verkehr gebracht. Es lässt sich belegen, dass Musterabgaben, trotz des guten und unverdächtigen Rufes (auch bei kritischen Ärzten), dazu führen, dass unangemessene Verordnungen vorgenommen werden (1). Selbst das Argument, dass es sich bei Mustern um eine Unterstützung von finanziell schwachen Patienten handelt, lässt sich nicht belegen (2).

Der „gesunde Menschenverstand“ hilft bei der Analyse weiter: Warum sollte die Industrie Sozialarbeit leisten? Pharmazeutische Hersteller sollen und müssen verkaufen. Um das zu verbessern, werden zum „Anfüttern“ Proben verteilt. Ärztinnen und Ärzte sind nicht verpflichtet, diese Verkaufsstrategie zu unterstützen. Zusätzlich gibt es gute medizinische Gründe, keine Muster einzusetzen. Das Argument, durch den Mustereinsatz könne man therapeutische Erfahrungen sammeln, verblasst angesichts von zwei erlaubten N1-Packungen pro Medikament und Jahr. Allerdings lassen sich andere Erkenntnisse sammeln: Muster führen zur besseren Marktpräsenz, selbst wenn Leitlinien gegen den Einsatz sprechen.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0327a

Thomas Lindner

Hennigsdorf

thomaslindner_bln@t-online.de

Interessenkonflikt

Der Autor hat Vortragshonorare von der Rosa-Luxemburg-Stiftung erhalten.
Er ist im Vorstand von MEZIS e.V. („Mein Essen zahl ich selbst“).

1.
Adair RF, Holmgren R: Do drug samples influence resident prescribing behavior? A randomized trial. Am J Med 2005; 118: 881–4 CrossRef MEDLINE
2.
Cutrona SL, et al.: Free drug samples in the United States, characteristics of pediatric recipients and safety concerns. Pediatrics 2008; 122: 736–42 CrossRef MEDLINE
3.
Velasco E, Noll I, Espelage W, Ziegelmann A, Krause G, Eckmanns T: A survey of outpatient antibiotic prescribing for cystitis. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(50): 878–84. VOLLTEXT
1.Adair RF, Holmgren R: Do drug samples influence resident prescribing behavior? A randomized trial. Am J Med 2005; 118: 881–4 CrossRef MEDLINE
2.Cutrona SL, et al.: Free drug samples in the United States, characteristics of pediatric recipients and safety concerns. Pediatrics 2008; 122: 736–42 CrossRef MEDLINE
3.Velasco E, Noll I, Espelage W, Ziegelmann A, Krause G, Eckmanns T: A survey of outpatient antibiotic prescribing for cystitis. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(50): 878–84. VOLLTEXT
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