ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1996Katheterbypass verspricht Zeitgewinn

POLITIK: Medizinreport

Katheterbypass verspricht Zeitgewinn

Le

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die invasive Therapie bei peripherer arterieller Verschlußkrankheit dürfte in Zukunft um eine Zwi-
schenstufe reicher werden: den Katheterbypass. Das Verfahren ist nicht als Alternative zu chirurgischen Eingriffen gedacht, sondern zum Zeitgewinn als Zwischenlösung bis zu einem größeren Eingriff; es kann aber auch bei Patienten mit OP-Risiko eingesetzt werden. Der Vorteil: Bei Mißerfolg ist den Gefäßchirurgen der Weg nicht "verbaut", bei Erfolg kann die Bypass-Operation auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Die Erfinder dieser Methode, die Angiologen um Prof. Gottfried Rudofsky (Universität Essen), haben die neue Methode bisher bei 28 Patienten getestet und waren in 20 Fällen erfolgreich. In acht Fällen war "kein Durchkommen", und die Patienten mußten sich der Gefäßchirurgie unterziehen. In der bisher zweijährigen Nachbeobachtungszeit funktionierten alle 20 Katheterbypässe komplikationslos, erläuterte Rudofsky auf Anfrage. Als Indikationen sieht Rudofsky periphere arterielle Verschlüsse, bei denen keine Revaskularisation möglich ist – etwa auch bei kalkharten Stenosen. Wenn der Katheter technisch ausgereifter ist, dürfte die "Zwischenlösung" praktisch für alle Bypass-Kandidaten einen Zeitgewinn darstellen: Weder die Angioplastie noch der chirurgische Bypass "halten ewig" – im Oberschenkel sind nach fünf Jahren die Hälfte der rekanalisierten Strecken wieder verschlossen, nur ein Teil läßt sich wieder eröffnen – für nicht wenige Patienten bleibt dann nur die Amputation.
Zur Technik: Verwendet wird ein Katheter mit gekrümmter Spitze, der aus dem Gefäß heraus, am Verschluß vorbei außerhalb des Gefäßes verlegt und dann wieder ins Gefäß geführt wird. Der in einer Kartusche zusammengefaltete Dacron-Bypass wird im neugeschaffenen Kanal entfaltet, ein ebenfalls enthaltenes Drahtgeflecht entfaltet sich durch die Körperwärme und hält das Kunststoffgefäß "in Form". Die Endoprothese wird mit Ballonkathetern an die gesunden Gefäßteile angeformt. Während des etwa zwei- bis vierstündigen Eingriffs ist eine Gerinnungsblockade, danach eine Gerinnungshemmung nötig. Le

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote