ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1996Präventions-Erziehungs-Programm: Modellprojekt über insgesamt 14 Jahre

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Präventions-Erziehungs-Programm: Modellprojekt über insgesamt 14 Jahre

Sönnichsen, Andreas

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LNSLNS Krankheit ist nicht nur Schicksal. Ein Großteil der Morbidität und Mortalität in den westlichen Industrienationen steht unmittelbar mit der zivilisierten Lebensweise in Zusammenhang. Über- und Fehlernährung, Bewegungsmangel, Nikotin- und Alkoholkonsum begünstigen die Entstehung von Risikofaktoren und Erkrankungen wie Adipositas, Hyperlipidämie, Hypertonie und Diabetes mellitus. Die wiederum führen zur Arteriosklerose und ihren Folgen, insbesondere Herzinfarkt und Schlaganfall. Die gesundheitsgefährdenden Verhaltensmuster bezüglich Ernährung, körperlicher Aktivität und Sucht werden bereits im Kindesalter geprägt. Aus diesem Grunde ist es notwendig, schon bei Kindern Verantwortung und Bewußtsein für die eigene Gesundheit zu wecken und durch Aufklärung und Erziehung einer gesundheitsgefährdenden Lebensweise vorzubeugen. Die Eltern und Schulen müssen als primäre Einflußgrößen auf das Verhalten der Kinder in diese Maßnahmen mit einbezogen werden.


Rund 1300 Familien nehmen teil
Das Präventions-Erziehungs-Programm (PEP) Nürnberg wurde ins Leben gerufen, um zum einen der Entstehung gesundheitlicher Risiken und einer gesundheitsgefährdenden Lebensweise frühzeitig entgegenzuwirken und damit zur Prävention von Erkrankungen beizutragen. Zum anderen soll durch dieses Projekt die Effektivität frühzeitiger familien- und schulorientierter Präventionsmaßnahmen in einer 14 Jahre dauernden, kontrollierten, prospektiven Langzeitstudie wissenschaftlich untersucht werden.
Das Präventions-Erziehungs-Programm wurde als Pilotprojekt erstmals im Schuljahr 1993/94 an zwei Nürnberger Grundschulen durchgeführt. Im Herbst 1994 wurde das Projekt 2 204 Familien aus 30 Grundschulen, im September 1995 dann 2 685 Familien aus 36 Grundschulen angeboten. Zwei weitere Jahrgänge sind zur Rekrutierung von Teilnehmern vorgesehen. Teilnahmeberechtigt sind alle Schulanfänger, deren Geschwister, Eltern und Großeltern. 1994 entschieden sich 638 Familien (28,9 Prozent), 1995 zirka 650 Familien (zirka 25 Prozent) für die Teilnahme. Alle "PEP"-Familien werden jährlich über 14 Jahre im Hinblick auf die Lebensweise, aufgetretene Erkrankungen und bereits vorhandene Risikofaktoren interviewt und untersucht. Sodann werden die Teilnehmer durch Losentscheid über die Schule je zur Hälfte der Interventions- und der Kontrollgruppe zugeteilt. Alle Teilnehmer bekommen nach Auswertung der Untersuchungen einen Gesundheitspaß, in den gesundheitliche Risikofaktoren eingetragen sind. Die Familien der Interventionsgruppe erhalten darüber hinaus eine regelmäßige Gesundheits- und Ernährungsberatung. In den Interventionsschulen findet ein Kinderprogramm statt, in dem den Kindern gesunde Lebensweise und gesunde Ernährung spielerisch nahegebracht werden.
Zum einen werden durch die Querschnittsuntersuchung aller Teilnehmer wichtige Daten über die Verbreitung und die familiäre Häufung gesundheitlicher Risikofaktoren gewonnen. Zum anderen werden Interventions- und Kontrollgruppe durch Zwischen- und Endauswertung nach 14jähriger Beobachtung und Intervention bezüglich der Häufigkeit gesundheitlicher Risikofaktoren verglichen. Die wichtigsten Endpunkte bei dieser Auswertung sind ein Body Mass Index über 27 kg/m2 beziehungsweise Gewicht von mehr als 20 Prozent über Normalgewicht bei den Kindern, Blutdruck über 160/95 mmHg, Nikotinkonsum, LDL-Cholesterin über 155 mg/dl oder ein LDL/HDL-Cholesterin-Quotient über 5 sowie Triglyceride über 200 mg/dl. Dr. med. Andreas Sönnichsen

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