ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2013Labor: tierisches Ausgangsmaterial ist nur zweite Wahl

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Labor: tierisches Ausgangsmaterial ist nur zweite Wahl

Dtsch Arztebl 2013; 110(18): A-856 / B-748 / C-744

Yüksekdağ, Nihâl; Lukačin, Richard

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Zur Kalibrierung und Kontrolle von labormedizinischen Parametern sollte die gleiche Ausgangsmatrix (Blut, Serum, Plasma, Urin) verwendet werden wie bei Patientenproben. Auf diese Weise werden matrixbedingte Messunterschiede bei der diagnostischen Laboranalytik vermieden. Diese grundlegende Lehrmeinung wird in der Richtlinie der Bundes­ärzte­kammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen deutlich hervorgehoben. Folgt man dieser Richtlinie, dann müssten alle Kalibratoren und die ebenfalls in der klinischen Routinediagnostik zur Qualitätssicherung eingesetzten Kontrollen in Präzisionsarbeit auf Basis von humanem Material hergestellt werden.

Die Bedeutung dieser Forderung wird bei näherer Betrachtung der Zusammensetzung des Ausgangsmaterials Blut, das beispielsweise zur Herstellung von Kalibratoren und Kontrollen für die Immunsuppressiva-Analytik verwendet wird, verständlich. Bereits der Hämatokritwert von Männern und Frauen variiert in gewissen Grenzen. Ähnliches gilt auch für andere Blutbestandteile, die in Abhängigkeit vom Geschlecht teilweise erhebliche Konzentrationsunterschiede aufweisen können. Als Konsequenz und zur Vermeidung geschlechtsspezifischer Unterschiede müssten für die Herstellung von zur In-vitro-Diagnostik verwendeten Blutprodukte äquivalente Anteile männlicher sowie weiblicher Ausgangsmaterialien gefordert werden.

Ungeachtet der erwähnten Richtlinien und Empfehlungen findet man im labormedizinischen Sektor auch Kalibrator- und Kontrollmaterialien (Blut, Serum), die auf Basis tierischen Ausgangsmaterials wie Schwein, Rind (auch Kalb) und Pferd hergestellt wurden. Diese Vorgehensweise ist unter wirtschaftlichem Aspekt zwar verständlich, erfüllt aber nicht die medizinischen Anforderungen für die Humandiagnostik. So unterscheidet sich bereits der Hämatokritwert in Abhängigkeit von der betrachteten Tierart im Vergleich zum Menschen erheblich.

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Wie die Verteilung von Blutbestandteilen, variieren auch Proteine in ihrem molekularen Aufbau, was zu Veränderungen der Blut- und Serumeigenschaften führen kann. In vielen Fällen kommt es dadurch unweigerlich zu störenden Abweichungen bei der Messung von Patientenproben. Fazit ist, dass tierisches Ausgangsmaterial bei der Herstellung von Blutprodukten nur in Ausnahmefällen verwendet werden sollte und eher als zweite Wahl zu betrachten ist. Dr. rer. nat. Nihâl Yüksekdağ

Dr. rer. nat. habil. Richard Lukačin

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