ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2013Ärztliche Qualitätssicherungsinitiativen – ÄQSI: Ureigene Motivation der Ärzte stärken

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Ärztliche Qualitätssicherungsinitiativen – ÄQSI: Ureigene Motivation der Ärzte stärken

Dtsch Arztebl 2013; 110(18): A-862 / B-753 / C-749

Gerst, Thomas

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„ÄQSI zeigt, was ein gutes QS-Projekt ausmacht. Es macht riesigen Spaß zu schauen, was vor Ort alles in diesem Bereich passiert.“ Günther Jonitz, Vorsitzender der Qualitätssicherungsgremien der Bundesärztekammer und Präsident der Ärztekammer Berlin
„ÄQSI zeigt, was ein gutes QS-Projekt ausmacht. Es macht riesigen Spaß zu schauen, was vor Ort alles in diesem Bereich passiert.“ Günther Jonitz, Vorsitzender der Qualitätssicherungs­gremien der Bundes­ärzte­kammer und Präsident der Ärztekammer Berlin

Die von der Bundes­ärzte­kammer auf den Weg gebrachte Datenbank ärztlicher Qualitätssicherungsinitiativen soll zeigen, was Ärzte freiwillig im Rahmen der Qualitätssicherung leisten.

Qualitätssicherung (QS) erscheint vielen Ärztinnen und Ärzten heute als aufs Engste verknüpft mit gesetzlichen Vorschriften. Aber das Erreichen und Sichern einer hohen ärztlichen Behandlungsqualität sei zunächst einmal ein zentrales Anliegen der ärztlichen Profession selbst, betont Dr. med. Günther Jonitz, Vorsitzender der Qualitätssicherungsgremien der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und Präsident der Ärztekammer Berlin. „Qualitätssicherung ist keine Erfindung des Gesetzgebers.“ Auf freiwilliger Ebene gebe es zahlreiche Qualitätssicherungsprojekte unterschiedlicher Träger in verschiedenen Versorgungsbereichen. Dies auch öffentlich deutlich zu machen, ist eines der Ziele der von der Bundes­ärzte­kammer ins Leben gerufenen „Ärztlichen Qualitätssicherungsinitiative“ (ÄQSI). ÄQSI ist eine vom BQS-Institut für Qualität und Patientensicherheit entwickelte Datenbank. Sie soll im Internet eine Übersicht über aktuelle Qualitätssicherungsprojekte in Deutschland geben, die sich nicht auf gesetzlichen Regelungen – sei es im Sozialgesetzbuch V, im Transplantations- oder Transfusionsgesetz – gründen, sondern freiwillig sind und unter maßgeblicher Beteiligung der Ärzteschaft entstanden. Auch die im vertragsärztlichen Bereich erforderlichen QS-Maßnahmen sind nicht Gegenstand von ÄQSI; diese werden bereits in den Qualitätsberichten der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ausreichend dargestellt.

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Qualitätssicherung per Gesetz, per Kontrolle funktioniert nicht – davon zeigte sich Jonitz im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt überzeugt. Diese Erkenntnis habe es in der Industrie bereits in den 1950er Jahren gegeben. Sobald man Kontrollmechanismen einbaue, würden Strategien entwickelt, diese zu umgehen. Jonitz ist aber sicher, dass Ärzte schon aus eigener Motivation heraus darauf schauen, ob sie die Behandlungsziele bei ihren Patienten erreicht haben und wie sie die Behandlungsergebnisse kontinuierlich verbessern können. Die ÄQSI-Datenbank will Ärzten, die an einem QS-Projekt in ihrem Fachbereich teilnehmen möchten, ermöglichen, sich bequem online über bereits bestehende Initiativen zu informieren. Diejenigen, die bereits ein QS-Projekt betreiben, können mit der Vorstellung in ÄQSI den Bekanntheitsgrad steigern und gegebenenfalls neue Mitstreiter gewinnen und so das QS-Projekt auf eine breitere Basis stellen.

Die Bundes­ärzte­kammer will mit ÄQSI darüber hinaus ein Kompetenzfeld besetzen, das in den zurückliegenden Jahren immer mehr vom Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) mit seinen verpflichtenden Vorgaben zur Qualitätssicherung besetzt worden ist. Jonitz kritisiert, dass die BÄK nur unmaßgeblich an den QS-Entscheidungen des G-BA beteiligt sei. Eines der Grundprinzipien von QS im Gesundheitswesen sei es, Betroffene zu Beteiligten zu machen. Im G-BA sei die Bundes­ärzte­kammer seit 2004 nicht mehr vertreten; hier seien bei Regelungen der Qualitätssicherung aus ehemals Beteiligten Betroffene gemacht worden.

Umso wichtiger erscheint es Jonitz, dass die Ärzte sich intensiv an der QS-Initiative der Bundes­ärzte­kammer beteiligen und in der ÄQSI-Datenbank ihre QS-Anstrengungen auf freiwilliger Basis dokumentieren. Etwa 150 Projekte sind aktuell in der Datenbank aufgeführt, wobei das gesamte Spektrum der Medizin – mit Schwerpunkten in der Inneren Medizin, Chirurgie, Kinder- und Jugendmedizin sowie Gynäkologie – vertreten ist. Das Spektrum reicht von Berliner Herzinfarktregister über Qualitätszirkel pädiatrische Pneumologie und Allergologie, Deutsches Aortenklappenregister, Benchmarking in der psychiatrischen Akutversorgung bis Deutsche Netzwerke Diabetischer Fuß.

Thomas Gerst

@ÄQSI-Datenbank unter:
www.aeqsi.de

ÄQSI

Definition:

freiwillige ärztliche Initiative zur systematischen und regelmäßigen Erfassung und Darlegung der ärztlichen Behandlungsqualität bei Patienten in Deutschland. Ziel der Initiative ist die kontinuierliche Verbesserung der Behandlungsqualität.

Qualitätskriterien:

  • ärztliche Organisationen an Entwicklung beteiligt
  • Teilnahme bei Aufnahme in die Datenbank möglich
  • Regeln veröffentlicht
  • Initiative nicht auf bestimmte Patientengruppen beschränkt
  • nicht auf bestimmte Bundesländer/Regionen beschränkt
  • Diskussion der Ergebnisse
  • individuelle Handlungsempfehlungen generiert
  • regelmäßige Evaluation der Initiative
  • Qualitätskriterien definiert (zum Beispiel Referenzbereiche)

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