ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2013Notfallpatienten: Warum nicht direkt in die Geriatrie?
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Der Versorgung älterer Notfallpatienten eine Titelgeschichte zu widmen, spricht für das Gespür des DÄ, wichtigen Themen den gebührenden Raum zu geben. Die in dem lesenswerten Artikel von Groening et al. präsentierten Zahlen über die rapide Zunahme hochbetagter Patienten in Krankenhausnotaufnahmen belegen die Bedeutung dieses Themas. Die interdisziplinäre Notfall--und Kurzlieger-Aufnahmestation (INKA), die der Beitrag vorstellt, wird sicherlich dank einer engen Kooperation mit einer geriatrischen Abteilung vielen älteren Patienten gerecht werden. Doch stellt sich die Frage: Warum werden geeignete geriatrische Patienten – wie beispielsweise der im Artikel vorgestellte Patient – nicht direkt auf eine geriatrische Station aufgenommen? Jeder Wechsel der Umgebung und somit einer Station erhöht bei vulnerablen geriatrischen Patienten das Risiko eines Delirs.

Das von den geriatrischen Fachgesellschaften propagierte ISAR-Instrument („ldentification of Seniors at risk“) erlaubt mit Hilfe von sechs Fragen eine rasche Identifizierung geriatrischer Patienten bereits in der Aufnahmesituation. Ältere multimorbide Patienten mit funktionellen Defiziten profitieren in mehrfacher Hinsicht von einer spezifischen geriatrischen Behandlung. Ein Cochrane Review auf der Basis von 22 Studien und 10 315 Patienten kommt zu dem Schluss: Im Vergleich zu herkömmlicher Krankenhausbehandlung senkt ein geriatrisches Assessment mit anschließender Behandlung signifikant die Mortalität nach sechs Monaten und erhöht die Wahrscheinlichkeit der Patienten, nach sechs und auch nach zwölf Monaten nach stationärer Behandlung weiter in der eigenen Wohnung zu sein (Ellis G. et al: Comprehensive geriatric assessment for older adults admitted to hospital. Cochrane Database of Systematic Reviews 2011, Issue 7. Art. No.: CD006211. DOI: 10.1002/ 14651858.CD00621 1.pub2.).

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Fazit: Um der wachsenden Zahl geriatrischer Notfallpatienten evidenzbasiert gerecht zu werden, ist eine vermehrte Nutzung akut-geriatrischer Krankenhausbetten erforderlich. Der rasche und umfassende Zugriff auf akut-geriatrische Krankenhausbetten bereits in der Notaufnahme ist ein wesentlicher Beitrag zu einer besseren Versorgung dieser Patienten.

PD Dr. med. Rupert Püllen, President elect,
Prof. Dr. med. Ralf-Joachim Schulz, President,
PD Dr. med. Werner Hofmann, Past-President, Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e.V., (DGG), 50668 Köln

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