ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2013Notfallpatienten: Moderne Strukturen
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Mit großem Interesse haben wir die Ausführungen von Herrn Kollegen Groening et al. zu innovativen Versorgungsstrukturen für ältere Notfallpatienten gelesen. Aufgrund der lokalen Situation im Albertinen-Krankenhaus Hamburg haben die verantwortlichen Kollegen moderne Strukturen entwickelt, welche für die Versorgung betroffener Patienten nutzbringend sind.

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  • Seit vielen Jahren beschäftigen wir uns in enger Zusammenarbeit mit der geriatrischen Klinik des Klinikums Nürnberg mit der Verbesserung von Diagnostik, Behandlung und Versorgung von älteren Notfallpatienten in unserer Notfallaufnahme. Anders als in den Darstellungen von Kollegen Groening et al. können wir lediglich einen der Demografie entsprechenden Anstieg der Zahl älterer Notfallpatienten feststellen, währenddessen die Zahl der unter 65-Jährigen überproportional über die letzten Jahre angestiegen ist. Ältere Notfallpatienten führen am Klinikum Nürnberg zu einer Zuwachsrate von bis zu einem Prozent pro Jahr. Diese Zahlen werden international in der Literatur durchaus kontrovers diskutiert. Möglicherweise ist dies dem unterschiedlichen Versorgungsauftrag im Vergleich zum Albertinen-Krankenhaus geschuldet. Bedauernswert in diesem Zusammenhang ist, dass es keine nationalen, belastbaren Daten zu dieser Thematik gibt, wie in anderen Ländern üblich, in denen eine professionelle klinische Notfall- und Akutmedizin bereits etabliert ist. Hier besteht in Deutschland noch erheblicher Nachholbedarf.
  • Dem Beitrag von Kollegen Groening et al. wäre ergänzend hinzuzufügen, dass, neben den strukturellen Verbesserungsmodellen auch die für die Notfall- und Akutmedizin notwendige medizinisch-fachliche Kompetenz der dort tätigen Ärzte und Pflegenden stärker betont werden sollte. In einem rezenten Konsensuspapier sind die für die klinische Notfall- und Akutmedizin notwendigen Kompetenzen für die Versorgung älterer Notfallpatienten zusammengefasst. Wir sind der Überzeugung, dass ein strukturiertes und standardisiertes Herangehen an ältere Patienten unter Einbeziehung geriatrischer Kompetenzen unabdingbar ist, um die Versorgung betroffener Patienten weiter zu optimieren. Wünschenswert wäre, diese Kompetenzen noch stärker in die Weiterbildungscurricula der studentischen und ärztlichen Weiterbildung zu integrieren.

Zusammenfassend können wir Herrn Kollegen Groening nur zustimmen, dass ein Umdenken und eine Weiterentwicklung der Versorgung von älteren Notfallpatienten notwendig sind, welche zwischenzeitlich über 30 Prozent der Notfallpatienten einer zentralen Notaufnahme ausmachen. Hierzu sollte eine generalistische Herangehensweise mit Entwicklung einer entsprechenden Diagnostik-, Behandlungs- und Versorgungskompetenz von ärztlichem und nichtärztlichem Personal stattfinden. Ein von einer geriatrischen Expertengruppe entwickeltes Konsensuspapier über Methoden, ältere Patienten mit geriatrischem Versorgungspotenzial zu identifizieren, stellt hierzu einen ersten Schritt dar.

Literatur bei den Verfassern

Prof. Dr. med. Michael Christ, Chefarzt der Klinik für Notfall- und Internistische Intensivmedizin,
PD Dr. Hans-Jürgen Heppner, Klinik für Notfall- und Internistische Intensivmedizin,
Dr. Katrin Singler, Klinik für Geriatrie, Klinikum Nürnberg, 90419 Nürnberg

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