ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2013Öffentliche Förderprogramme: Eine sinnvolle Ergänzung

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Öffentliche Förderprogramme: Eine sinnvolle Ergänzung

Dtsch Arztebl 2013; 110(18): [71]

Vetter, Michael

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Öffentliche Kreditgeber wie die KfW-Mittelstandsbank bieten attraktive Finanzierungsalternativen zum Bank- oder Sparkassenkredit.

Die Finanz- und Bankenkrise hat auch bei Ärztinnen und Ärzten zu einem Umdenken geführt: Wurde bisher oft nur die Hausbank als Kreditgeber für Praxisinvestitionen in Anspruch genommen, scheint sich nun das Spektrum zu erweitern. Öffentliche Kreditgeber wie die KfW-Mittelstandsbank bieten attraktive Finanzierungsalternativen zum Bank- oder Sparkassenkredit.

Öffentliche Förderprogramme mit je nach Kreditwürdigkeit des jeweiligen Praxisinhabers äußerst günstigen Kreditkosten ab etwa ein bis zwei Prozent per annum können Investitionsmaßnahmen für nahezu jeden Verwendungszweck finanziell absichern und begleiten. Dazu sollen die jeweiligen Hausbanken, die regelmäßig in die Beantragung dieser Kreditmittel einzubinden sind („Hausbankprinzip“), in Form einer angemessenen Beratung ihren Anteil leisten. In nach wie vor schwierigen Zeiten sollten Ärzte auf diese öffentlichen Finanzierungsbausteine im Rahmen einer finanziell tragbaren Gesamtfinanzierung nicht verzichten.

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Einer der größten Kreditgeber öffentlicher Mittel ist die KfW-Mittelstandsbank, die durch ihre Produktvielfalt in der Lage ist, fast jede wirtschaftlich vertretbare Investitionsmaßnahme von Arztpraxen in unterschiedlicher finanzieller Größenordnung zu begleiten. Dabei geht es sowohl um Praxisgründungen und Praxisfestigungen als auch um Praxiserweiterungen:

  • Das ERP-Gründerkredit-Startgeld stellt Mittel bis zu 100 000 Euro für entsprechende Investitionen mit Laufzeiten von bis zu zehn Jahren (bei bis zu zwei tilgungsfreien Anlaufjahren) und festen Zinssätzen zur Verfügung. Die Förderung umfasst neben Praxisgründern und Praxisnachfolgern auch junge Praxen bis zu drei Jahre nach Aufnahme der Tätigkeit.
  • Praxen in strukturschwachen Regionen können darüber hinaus Mittel aus dem ERP-Regionalförderprogramm zur mittel- und langfristigen Investitionsfinanzierung in Anspruch nehmen. Laufzeiten bis zu 20 Jahre mit bis zu fünf tilgungsfreien Anlaufjahren zeichnen diese Programmvariante aus. Hier sind ebenfalls Praxisgründungen und Praxisfestigungen möglich.
  • Das ERP-Innovationsprogramm wird vor allem den Ärzten gerecht, die über neue Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen nachdenken und beispielsweise Finanzierungsmöglichkeiten für die damit verbundenen Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen suchen. Attraktive Zinssätze (je nach Bonität), tilgungsfreie Jahre und ein erleichterter Kapitalzugang bei mangelnden Besicherungsmöglichkeiten zeigen auch hier eine dem Arzt als Kreditnehmer zugutekommende Programmflexibilität.

Selbstverständlich bieten auch weitere Förderbanken, die sich vor allem auf die Stabilisierung der regionalen Kreditmärkte spezialisiert haben, interessante Kreditprodukte an. Ärzte sollten ihre Ansprechpartner bei den Bankinstituten hierzu ebenso um eine sorgfältige Beratung bitten wie bei den Finanzierungsprogrammen der KfW-Mittelstandsbank. So stellt als eines von vielen Beispielen die NRW-Bank in Nordrhein-Westfalen den freien Berufen ebenfalls Finanzmittel wie den Innovationskredit oder den Mittelstandskredit zur Verfügung.

Michael Vetter

@Informationen im Internet zu öffentlichen Förderkrediten:
subventionen.de, foerderdaten bank.de, kfw-mittelstandsbank.de, bmwi.de, www.nrw-bank.de

Der Weg zum Kredit

Wer ein öffentliches Förderprogramm nutzen will, geht folgendermaßen vor:

  • Zunächst sollte sich die Ärztin/der Arzt einen ersten Überblick über die einzelnen Förderprogramme verschaffen (beispielsweise im Internet), die sich für gewünschte Investitionszwecke eignen.
  • Danach steht ein Gespräch mit dem bei der jeweiligen Hausbank tätigen Spezialisten für öffentliche Förderprogramme auf dem Programm. Der Arzt bittet darum, dass ihn die Bank bei der Auswahl der geeigneten Programme und bei der weiteren Beratung unterstützt.
  • Eine folgende Abstimmung gemeinsam mit Steuerberater und Bankmitarbeiter legt fest, wie der gesamte Finanzierungsplan einschließlich der öffentlichen Gelder konkret aussehen soll und welche Unterlagen und gegebenenfalls Kreditsicherheiten bezüglich der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage (Stichwort: „Bonitätsbeurteilung“) beigebracht werden müssen.
  • Grundsätzlich sollte darüber hinaus der Hausbank Gelegenheit gegeben werden, auch eventuelle eigene Finanzierungsalternativen mit entsprechend vergleichbaren Kreditbedingungen vorzustellen.
  • Alle Überlegungen sollten vom Arzt im Rahmen eines Zeitplanes konkretisiert werden. Dabei sollten unter anderem die erforderlichen Bearbeitungszeiträume der beteiligten Kreditinstitute berücksichtigt werden.

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