ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2013Börsebius: Simpler Trick

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Börsebius: Simpler Trick

Dtsch Arztebl 2013; 110(18): A-898 / B-782 / C-778

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Vorsicht ist angesagt beim nächsten Blick ins Wertpapierdepot. Zumindest wenn Sie Aktien der Commerzbank AG im Bestand haben. Wie kann es bloß angehen, dass sich der Kurs des siechen Bankhauses in kürzester Zeit vervielfachen konnte?

Des Rätsels Lösung ist ein technischer Trick: Es wurden einfach die bestehenden Aktien zusammengelegt, und das im Verhältnis zehn zu eins. Die Commerzbank hätte bei einem aktuellen Kurs von haarscharf über einem Euro schlicht und einfach das Problem, dass die geplante (dringende) Kapitalerhöhung drohte, ins Wasser zu fallen. Das Aktienrecht fordert eben genau einen Mindestpreis von einem Euro je Anteilschein, und das Problem bei einer Kapitalbeschaffungsmaßnahme ist halt, dass ich potenten Investoren und großen Fonds einen attraktiven Bezugspreis bieten muss, der deutlich unter dem bestehenden Kurs liegt. Also wer vorher 100 Aktien mit einem Kurswert von 1,04 Euro hatte, besitzt dann – am Tag der Umstellung – eben nur noch zehn Aktien mit einem rechnerischen Wert von 10,40 Euro.

Aber eben nur rechnerisch. Der Split zehn zu eins ist das eine, dass dem Bieterkonsortium nun ein Preis irgendwo unter zehn Euro angeboten werden muss, damit die Aktie überhaupt für sie attraktiv ist, die böse Kehrseite der Medaille. Daraus folgt unmittelbar eine möglicherweise fulminante Rückschlaggefahr auch für den weiteren Kursverlauf. In dürren Worten, der Kurs wurde künstlich erhöht, damit er später wieder fallen kann. Dass die Führung der Commerzbank diese Entwicklung billigend in Kauf nimmt, halte ich für ziemlich realistisch, auch wenn das ein Schlag ins Gesicht für alle Altaktionäre ist, die ohnehin schon auf gewaltigen Verlusten in der Aktie sitzen. Wie kann der Bund als Großaktionär es gutheißen, dass der Wertverlust der Commerzbank in nur sechs Jahren bei sagenhaften 96 Prozent liegt?

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Glauben Sie jetzt nur nicht, dass nur ich auf diesem Kreditinstitut herumhacke. Bei der jüngsten Haupt­ver­samm­lung flogen die Fetzen, die erbosten Aktionäre sparten auch nicht mit beißender Kritik. Das auf vielen Haupt­ver­samm­lungen gefürchtete Urgestein Karl-Walter Freitag machte aus seinem Herzen nun wirklich keine Mördergrube. „Braucht diese Bank einen Vorstand, der immer so weitermacht? Nein, nein, nein! Wann wird die Bank endlich von Ihnen befreit?“ Es folgten Bravorufe des Publikums, begleitet von tosendem Beifall. Ich fürchte nur, dass das alles den Herren auf dem Podium ziemlich egal war.

Nicht gleichgültig kann dem Management allerdings sein, dass die Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit der Commerzbank von „A3 negative“ auf „Baa 1“ gesenkt hat. Die Bank dürfte sich also quasi fast selbst keinen Kredit mehr geben. Zehnfach mehr macht lang nichts her. Noch lange nicht.

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