ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2013Glaukomtherapie: Meibom-Drüsen verändern sich bei topischer Therapie

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Glaukomtherapie: Meibom-Drüsen verändern sich bei topischer Therapie

Dtsch Arztebl 2013; 110(18): A-881 / B-768 / C-764

Gerste, Ronald D.

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Die im Ober- und Unterlid gelegenen Meibom-Drüsen sondern ein lipidhaltiges Sekret ab, das den vielleicht wichtigsten Bestandteil des Tränenfilms ausmacht: Das Sekret verhindert das Verdunsten der dünnen, die Augenoberfläche bedeckenden Tränenschicht und wird von den Lidern beim Lidschlag über der Tränenschicht gleichmäßig verteilt. Eine Fehlfunktion der Meibom-Drüsen oder die Okklusion ihrer Ausführungsgänge ist eine häufige Ursache des trockenen Auges. Dieses ist vor allem bei Glaukompatienten sehr häufig – einer Patientengruppe, die mehrheitlich mit den Intraokulardruck (IOD) senkenden Augentropfen behandelt wird.

Eine italienische Autorengruppe hat die Meibom-Drüsen von Glaukompatienten und Kontrollpersonen mit einer modernen Bildgebung, der konfokalen Laserscanning-Mikroskopie (LSCM), untersucht. Die Studienteilnehmer wurden in Abhängigkeit von der Intensität der jeweiligen topischen Glaukomtherapie in drei Gruppen eingeteilt: jene mit einem IOD-senkenden Präparat (n = 30), jene mit zwei (n = 23) und jene mit drei (n = 27) unterschiedlichen antiglaukomatösen Augentropfen. Das Alter der Teilnehmer lag durchschnittlich zwischen 60 und 62 Jahren. Prostaglandine und Betablocker waren die am häufigsten angewandten Wirkstoffklassen.

Die Auswertung der LSCM-Aufnahmen ergab, dass bei Patienten mit zwei oder drei unterschiedlichen Glaukommedikationen sowohl die Dichte der Meibom-Drüsen als auch die Drüsenfläche signifikant kleiner waren als bei den Kontrollpersonen, die keine Augentropfen anwandten; beides gilt als Hinweis auf den Verlust von Drüsengewebe und die Einschränkung der Produktion. Die Öffnungen der Drüsengänge waren in diesen beiden Gruppen vergrößert, was möglicherweise ein Adaptationsmechanismus ist, um die erhöhte Viskosität und die Neigung zur Verstopfung zu überwinden. Bei Patienten mit nur einer Medikation fiel ferner auf, dass diese Parameter bei Anwendern von konservierten Prostagladinen gegenüber jenen mit einer konservierungsmittelfreien Prostagladintherapie deutlich reduziert waren. Konservierte Prostaglandine gingen auch mit erhöhten Anzeichen von Entzündungsprozessen einher.

Fazit: Die topische Glaukomtherapie kann die Meibom-Drüsen schädigen, der Mechanismus ist noch nicht geklärt. Inflammatorische Prozesse könnten ein erster Schritt in der Kaskade der Modifikation der Meibom-Drüsen bei einer jahre-, meist sogar lebenslangen Medikamentenapplikation auf die Augenoberfläche sein. Die morphologischen Befunde italienischer Ophthalmologen passen zu klinischen Beobachtungen, die vor allem bei Anwendern von konservierungsmittelhaltigen Antiglaukomatosa teilweise eine gravierend veränderte Tränenfilmfunktion wie eine deutlich reduzierte Break-up Time und ausgeprägte subjektive Sicca-beschwerden dokumentiert haben. Dr. med. Ronald D. Gerste

Agnifili L, Fasanella V, Costagliola C, et al.: In vivo confocal microscopy of meibomian glands in glaucoma. Br J Ophthalmol 2013; 97: 343–9. MEDLINE

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