ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2013Olfaktorische Halluzinationen
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Der Begriff „Phantosmien“ entspricht der aktuellen Leitlinie zu „Riechstörungen“ der HNO-Fachgesellschaft, wie in der informativen Übersichtsarbeit auch geschehen. Die Definition „Wahrnehmung von Gerüchen in Abwesenheit einer Reizquelle“ ist ebenfalls identisch mit der in dieser S2-Leitlinie (1), würde aber auch Geruchs-, also olfaktorischen Halluzinationen entsprechen. Denn „Sinnestäuschung ohne äußeren Sinnesreiz“ definiert Halluzinationen. Und dies hat direkte klinische Bedeutung, denn diese Symptomatik kann auf weitere psychiatrische/neurologische (im Artikel nicht genannte) Diagnosen hinweisen – gerade wenn sie einem Arzt als vorwiegende Beschwerde im (Erst-)Kontakt (wie aus Erfahrung bekannt) geklagt werden. Es geht also nicht bloß um eine Begriffsdiskussion, sondern um potenzielle Auswirkungen auf die geplante Neufassung der HNO-Leitlinie (1).

Bei Geruchshalluzinationen ist (auch im Alter) an weitere psychiatrische Erkrankungen zu denken, mit (meist unangenehm, seltener angenehm wahrgenommenen) Halluzinationen, etwa an: Schizophrenie, Depression, Eigengeruchshalluzinose und Temporallappen-Epilepsie. Bei – schwerer – Depression sind olfaktorische Halluzinationen (etwa als Wahrnehmung von Verwesungsgeruch) möglich, auch als Folge von Riechstörungen (3): „Durch diese Einschränkungen zeigen viele Patienten mit Riechstörungen Zeichen einer Depression“. Doch Geruchshalluzinationen können auch unabhängig von einer HNO-Somatik (etwa ohne Riechepithelstörungen) bei psychischen Krankheiten auftreten. Die HNO-Leitlinie (1) verweist zum Beispiel unter Punkt 3.2.5, auf „neurologische oder psychiatrische Ursache(n)“. Generell erscheint – bei langjährigen Halluzinationen (vor allem nicht direkt somatischen) – in enger Kooperation mit bisherigen/parallel somatisch weiterbehandelnden Ärzten, eine Psychotherapie nötig.

Insbesondere ist darauf hinzuweisen, dass einerseits bei Schizophrenien die Geruchswahrnehmung oft beeinträchtigt ist, andererseits in diversen Studien (2) olfaktorische Halluzinationen bei bis zu einem Drittel an Schizophrenie Leidenden gefunden wurden.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0345b

Dr. med. Nicolas Nowack
Zentrum für Soziale Psychiatrie Salzwedel
info@zsp-salzwedel.de

Interessenkonflikt

Dr. Nowack ist Sprecher der deutschen Sektion der „International Society for Psychological and Social Approches to Psychosis (ISPS)“.

1.
Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Riechstörungen – Leitlinie zur Epidemiologie, Pathophysiologie, Klassifikation, Diagnose und Therapie (1996–2013). www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/017–050_S2_Riechstoerungen__mit_Algorithmus__05–2007_05–2011_01.pdf. Last accessed on 15 January 2013.
2.
Puchert F: Stimmen, Mitmenschen und Selbstaspekte. Eine Untersuchung chronisch akustisch halluzinierender schizophrener Patienten und Patientinnen mit dem Repertory Grid Test. 2008. www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000003718/0_dissertation-frank_puchert.pdf?hosts=.
Last accessed on 29 January 2013.
3.
Hüttenbrink KB, Hummel T, Berg D, Gasser T, Hähner A:
Olfactory dysfunction: common in later life and early warning of neurodegenerative disease. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(1–2): 1–7. VOLLTEXT
1.Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Riechstörungen – Leitlinie zur Epidemiologie, Pathophysiologie, Klassifikation, Diagnose und Therapie (1996–2013). www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/017–050_S2_Riechstoerungen__mit_Algorithmus__05–2007_05–2011_01.pdf. Last accessed on 15 January 2013.
2.Puchert F: Stimmen, Mitmenschen und Selbstaspekte. Eine Untersuchung chronisch akustisch halluzinierender schizophrener Patienten und Patientinnen mit dem Repertory Grid Test. 2008. www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000003718/0_dissertation-frank_puchert.pdf?hosts=.
Last accessed on 29 January 2013.
3.Hüttenbrink KB, Hummel T, Berg D, Gasser T, Hähner A:
Olfactory dysfunction: common in later life and early warning of neurodegenerative disease. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(1–2): 1–7. VOLLTEXT

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