ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2013Universitätsmedizin Halle: Protest gegen die Schließung

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Universitätsmedizin Halle: Protest gegen die Schließung

Dtsch Arztebl 2013; 110(19): A-915 / B-799 / C-795

Hibbeler, Birgit

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Der Universitätsmedizin in Halle an der Saale droht das Ende. Das Land Sachsen-Anhalt sieht sich nicht mehr dazu in der Lage, den Standort zu finanzieren.

Mehrere Tausend Demonstranten kamen zur Kundgebung am 30. April auf den Marktplatz in Halle. Foto: dpa
Mehrere Tausend Demonstranten kamen zur Kundgebung am 30. April auf den Marktplatz in Halle. Foto: dpa

Wenn der Medizinische Fakultätentag (MFT) im Mai sein 100-jähriges Jubiläum feiert, dann könnte die Stimmung in etwa so ausgelassen sein wie auf einer Beerdigung. Denn die Veranstaltung findet in Halle an der Saale statt – ausgerechnet an dem Ort, dessen Universitätsmedizin die Schließung droht. Das Land Sachsen-Anhalt sieht sich außerstande, zwei hochschulmedizinische Standorte zu finanzieren. Neben Halle ist das die Landeshauptstadt Magdeburg.

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Für den Erhalt protestierten am 30. April Studierende, Mitarbeiter und Bürger. Aufgerufen dazu hatten die Gewerkschaft Verdi und das Aktionsbündnis „Halle bleibt“ – initiiert vom Fachschaftsrat Medizin. Die Veranstalter sprachen von 7 000 Teilnehmern. Der Landesminister für Wissenschaft und Wirtschaft, Hartmut Möllring (CDU), bot in seiner Rede einen Dialog an, wurde aber mehrfach ausgebuht. Möllring, vielen Ärzten bekannt durch seine frühere Rolle als Vorsitzender der Tarifgemeinschaft deutscher Länder, ist erst seit April im Amt. Seine Vorgängerin Birgitta Wolff (CDU) galt als Kritikerin des Sparkurses. Die Landesregierung will die Mittel für die Universitäten in den nächsten Jahren kürzen.

Medizinstudium in Halle vor dem Aus – trotz Ärztemangel

Für die Ärztekammer Sachsen-Anhalt sind die Sparpläne kurzsichtig. „Der Wegfall einer der medizinischen Hochschulstandorte wäre fatal für die ärztliche Versorgung im Land“, betonte Kammerpräsidentin Dr. med. Simone Heinemann-Meerz. Etwa 60 Prozent der Mediziner blieben nach dem Studium in Sachsen-Anhalt. Beide Unikliniken seien für die Patientenversorgung und die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchs wichtig. „Wer über eine Schließung ernsthaft nachdenkt, ignoriert die Probleme im Land.“

Wer soll die Hochschulmedizin bezahlen? Das ist die Grundsatzfrage, die der Fall Halle einmal mehr aufwirft. Forschung und Lehre sind Ländersache. In Zeiten knapper Kassen und beschlossener Schuldenbremse ab 2020 hat aber nicht nur Sachsen-Anhalt Schwierigkeiten, die Finanzierung zu schultern. Beispiel Schleswig-Holstein: Eine Schließung der Fakultät in Lübeck konnte 2010 in letzter Sekunde verhindert werden – allerdings nur, indem der Bund indirekt einsprang.

Hochschulmedizin ist teuer, den Ländern fehlt das Geld

Der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) und der MFT fordern daher eine Grundsatzdiskussion über die Finanzierungszuständigkeiten von Bund, Ländern und gesetzlicher Kran­ken­ver­siche­rung. „Der Bund muss mehr Mitverantwortung für die Finanzierung der Hochschulmedizin übernehmen“, sagte MFT-Präsident Prof. Dr. rer. nat. Heyo Kroemer. Für VUD und MFT steht fest: Die Leistungen der Universitätskliniken sind im DRG-System nicht angemessen abgebildet.

Tatsächlich fehlt ein Gesamtkonzept für die Hochschulmedizin. Während der Standort Halle geschlossen werden soll, steht im Land Brandenburg die Gründung einer neuen Fakultät an. Erst im vergangenen Jahr ging mit Oldenburg ein neuer Standort an den Start. De facto würde also in Halle die Infrastruktur vernichtet, die anderorts geschaffen wird. Noch offen ist die Frage, wie sich die neue Bun­des­for­schungs­minis­terin Johanna Wanka (CDU) in der Sache verhält. Unterdessen hat das Aktionsbündnis „Halle bleibt“ für eine Online-Petition bereits mehr als 40 000 Unterstützer gewonnen.

Dr. med. Birgit Hibbeler

@Mehr zu den Protesten und der Online-Petition: www.halle-bleibt.de

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