ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2013Valencia: Stadt der Kontraste

KULTUR

Valencia: Stadt der Kontraste

Dtsch Arztebl 2013; 110(19): A-954 / B-832 / C-826

Schiller, Bernd

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Perlen des Jugendstils in der Altstadt, futuristische Architektur in der neuen „Stadt der Künste und Wissenschaften“

Fotos: Bernd Schiller
Fotos: Bernd Schiller

Was haben ein Papst aus der berüchtigten Borgia-Familie, ein kreativer deutscher Koch aus dem Schwarzwald, ein einheimischer Architekt von Weltruf und eine geniale Opernintendantin aus Österreich gemeinsam? Sie stehen für ganz viel Theater, für wahr gewordene Träume und Visionen, die Valencia, Spaniens drittgrößte Stadt, überraschend und wundervoll gemacht haben.

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Alexander VI., als Roderic de Borja 1431 in der Nähe von Valencia geboren, ging als einer der umstrittensten Päpste in die Geschichte ein. Sein Familienname, italienisch Borgia, stand für Macht und Korruption. In Valencia aber haben die Borgias glanzvolle Spuren hinterlassen. So trägt beispielsweise die Gründungsurkunde der Universität aus dem Jahr 1501 die Handschrift des legendären Kirchenfürsten.

Als Bernd Knöller, einer von sechs Sterneköchen in der Metropole, vor 20 Jahren aus dem Schwarzwald ans Mittelmeer kam, war er zwar schnell von der Vitalität Valencias eingenommen. Enttäuscht war er damals aber, dass so wenig Fremde kamen. Das sollte sich bald ändern, und er, der Meister am Herd, hat mit originellen Ideen dazu beigetragen. Inzwischen gehört sein Restaurant „Riff“ zu den besten Adressen in Spanien.

Der Architekt Santiago Calatrava war es, der seine Heimatstadt schon ab 1998 ins 21. Jahrhundert katapultierte, mit einem kühnen Quartier aus Glas, Stahl und Beton. In seiner Ciudad de las Artes y de las Ciencias, der Stadt der Künste und Wissenschaften, wirken spektakuläre Konstruktionen ebenso futuristisch wie fröhlich.

Visionen und Traditionen: Im Viertel um den Kunstpalast (oben) hat die Zukunft schon 1998 begonnen, während der Jungfrauen-Platz die alte Seele Valencias bewahrt.
Visionen und Traditionen: Im Viertel um den Kunstpalast (oben) hat die Zukunft schon 1998 begonnen, während der Jungfrauen-Platz die alte Seele Valencias bewahrt.

Die Oper im Palau de les Arts Reina Sofia, dem Kunstpalast dieser Calatrava-Stadt, hat sich zu einem Magnet für Musikliebhaber aus aller Welt entwickelt. Und wieder war es eine einzelne Persönlichkeit, die auch diese Institution in die erste Liga brachte: Helga Schmidt aus Österreich, einst Assistentin von Karajan und lange Jahre Leiterin des Covent Garden in London, setzte von Anfang an auf hochkarätige Spitzenstars wie Lorin Maazel als musikalischen Leiter.

Von den Borgias über Visionäre wie Calatrava, Bernd Knöller oder Doña Helga spannt sich der Bogen, der diese Stadt prägt. Sie ist stolz auf ihre Geschichte, auf ihre Eigenarten und ihre Sprache. Valenciano ist ein Zweig des Katalanischen, aber Valencia gehört nicht zu Katalonien. Man legt hier großen Wert auf die Zugehörigkeit zur autonomen Region Valencia.

Beginnen wir unseren Bummel in der Altstadt, einem Refugium des alten Europas. Nirgendwo kommt man der Seele Valencias so nahe wie auf der Plaza de la Virgin: in der Mitte ein sprudelnder Brunnen, eingerahmt von allegorischen Figuren, die die acht Bäche symbolisieren, die einst dem Stadtfluss Turia entgegenstrebten. Der Jungfrauenplatz wird dominiert vom Kuppelbau einer Barockbasilika und überragt von der Kathedrale. Und er wird flankiert von Palmen, Orangenbäumen und den Korbstühlen mehrerer Cafés, bevölkert von Flaneuren, Liebespaaren und Tagträumern, die die laue Luft genießen.

Dann der Kontrast, ein paar Hundert Meter weiter: In der „Stadt der Künste und Wissenschaften“ hat die Zukunft längst begonnen: Am westlichen Rand liegt Helga Schmidts Opernhaus, daneben „L’Hemisphèric“, ein Planetarium mit 3-D-Kino. Und das Wissenschaftsmuseum, dessen stachlige Lichtöffnungen alle Gesetze von Form und Zweckmäßigkeit zu überwinden scheinen, schließlich „L’Oceanogràfic“, ein zeltartig gestaltetes Aquarium der Superlative. Der Jungfrauenplatz im Norden und die futuristischen Bauten im Süden: Zwischen diesen Polen vibriert die Metropole, die nach vorn schaut und dabei doch sehr bewusst ihre Traditionen pflegt.

Bernd Schiller

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