ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2013Akutes Nierenversagen: Erhöhtes Risiko durch hochwirksame Statine?

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Akutes Nierenversagen: Erhöhtes Risiko durch hochwirksame Statine?

Dtsch Arztebl 2013; 110(19): A-941 / B-821 / C-816

Heinzl, Susanne

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Der Nutzen einer Therapie mit Statinen in der Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen ist vielfach nachgewiesen. In verschiedenen Studien mit hochwirksamen oder hochdosierten Statinen konnte allerdings ein vermehrtes Auftreten von Nierenfunktionsstörungen gesehen werden. Daher wurde in einer retrospektiven Analyse anhand von neun Datenbanken untersucht, ob hochpotente Statine mit einem höheren Risiko für ein akutes Nierenversagen assoziiert sind als niedriger potente Statine.

In der retrospektiven kanadischen Analyse wurden die Daten von mehr als 2 Millionen Patienten im Alter ab 40 Jahren erfasst, bei denen zwischen 1997 und 2008 eine Statintherapie begonnen worden war. 33 % der Patienten erhielten eine hochwirksame Statintherapie, und zwar Rosuvastatin ab 10 mg/Tag, Atorvastatin ab 20 mg/Tag oder Simvastatin ab 40 mg/Tag. Alle anderen Statintherapien wurden der niedrigpotenten Gruppe zugeordnet. Mit dem Vergleich von hochpotenten versus niedrigpotenten Statinen wollte man unklare Störfaktoren aufgrund der Indikation ausschalten. Primärer Endpunkt war die Hospitalisierung wegen eines akuten Nierenversagens.

Die Analyse ergab, dass mit hochpotenten Statinen behandelte Patienten in den ersten 120 Therapietagen ein um 34 % höheres Risiko für den primären Endpunkt hatten als die mit niedrigpotenten Statinen behandelten Patienten. Dieser Effekt hielt über mindestens zwei Jahre an. Bei Patienten, die bereits an einer chronischen Nierenerkrankung litten, erhöhte sich die Zahl der Krankenhausaufnahmen wegen eines akuten Nierenversagens durch hochpotente Statine nicht.

Aus den Daten errechnet sich eine number needed to harm von 1 700 über 120 Tage behandelten, zuvor nierengesunden Patienten, auf die eine Hospitalisierung wegen akuten Nierenversagens kommt, wenn sie mit hochpotenten statt mit niedrigpotenten Statinen behandelt werden.

Retrospektive Studien wie diese seien immer anfällig für Störfaktoren, kommentiert Prof. Dr. med. Klaus G. Parhofer vom Klinikum Großhadern der Universität München. So könnten die als gefährdeter eingestuften Patienten gleichzeitig auch häufiger und höher dosiert andere Arzneimittel wie Blutdrucksenker erhalten haben. Trotz Adjustierung für möglichst viele Aspekte blieben Unsicherheiten bestehen, meint Parhofer. Die Auswertung zeige jedoch, dass auch sehr gute Medikamente potenziell Nebenwirkungen auslösen könnten und deshalb immer eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung notwendig sei.

Fazit: Die Therapie mit hochpotenten Statinen kann bei vorher nierengesunden Patienten das Risiko für ein akutes Nierenversagen erhöhen. Die Ergebnisse unterstützen nach Parhofer die bislang schon übliche Vorgehensweise, nämlich die Statintherapie mit einer mittleren Dosis zu beginnen und erst im zweiten Schritt die Dosis zu eskalieren oder eventuell eine Kombinationstherapie einzusetzen, falls das Therapieziel nicht erreicht wurde.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Dormuth CR, et al.: Use of high potency statins and rates of admission for acute kidney injury: multicenter, retrospective observational analysis of administrative databases. BMJ 2013; 346: f880. MEDLINE

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