ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2013Symposium zur Qualitätssicherung: Der Erfolg ist messbar

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Symposium zur Qualitätssicherung: Der Erfolg ist messbar

Dtsch Arztebl 2013; 110(19): A-920 / B-804 / C-799

Korzilius, Heike

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Instrumente der Qualitätssicherung können nach Ansicht von Wissenschaftlern die Versorgung der Patienten verbessern. Medizinische Leitlinien, Peer Review oder Qualitätszirkel sind erfolgreiche Beispiele.

Bürokratie, Kontrolle, Marketing – das Thema Qualitätssicherung löst bei Ärztinnen und Ärzten meist nicht auf Anhieb Begeisterung aus. Dabei gehöre sie zum professionellen Selbstverständnis, seit es den hippokratischen Eid gebe, „lange bevor der Begriff modern wurde“, sagte Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery. Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) sprach zum Auftakt des Symposiums „Ergebnisverbesserung durch Qualitätsmanagement“, das die BÄK im Rahmen ihrer Initiative zur Versorgungsforschung am 17. April in Berlin veranstaltete.

Von Ärzten für Ärzte

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„Wir müssen die Qualitätssicherung stärken, auch um ökonomischen Fehlanreizen im Gesundheitswesen entgegenzuwirken“, erklärte Montgomery. Denn sie diene letztlich der Patientensicherheit. Da die Akzeptanz der Ärzte für die erfolgreiche Umsetzung von qualitätssichernden Maßnahmen unverzichtbar sei, müsse die Verantwortung dafür bei den Ärztekammern bleiben. Qualitätskontrolle von Ärzten für Ärzte – dieser Ansatz spiegelte sich auch in den Themen des Symposiums wider. Die Experten befassten sich unter anderem mit der Analyse von Umsetzungsmängeln bei der Anwendung medizinischer Leitlinien und mit Methoden des Qualitätsmanagements.

„Leitlinien sind ein Kernbaustein im Qualitätsmanagement“, erklärte Prof. Dr. med. Ina Kopp, Leiterin des AWMF-Instituts für medizinisches Wissensmanagement. Damit sie angewendet würden, müssten sie aktuell und verständlich sein. Kopp sprach sich für eine bessere Finanzierung von Qualitätsmanagement-Programmen aus: „Wenn ich Qualität will, dann kostet das Geld.“ „An der Produktion von Leitlinien sind oft mehr als 20 Fachgesellschaften beteiligt“, sagte Priv.-Doz. Dr. med. Achim Wöckel von der Universitätsfrauenklinik Ulm. „Die Frage ist, lohnt sich der Aufwand? Haben Leitlinien Einfluss auf ärztliches Handeln?“

Im Rahmen eines Projekts zur Versorgungsforschung, das vom Bun­des­for­schungs­minis­terium gefördert wurde, hat er untersucht, wie sich die Anwendung von medizinischen Leitlinien auf das Überleben von Patientinnen auswirkt, die an einem rezeptorpositiven Mammakarzinom erkrankt sind. Ergebnis: Das Gesamtüberleben verlängert sich. Allerdings erreicht man bei der Anwendung der entsprechenden Leitlinien lediglich Raten von etwa 80 Prozent. Große Abweichungen gibt es zudem bei sehr alten und sehr jungen Patientinnen. Die Gründe dafür – möglicherweise Patientenwünsche, Therapiefreiheit oder mangelnde Informationen der Ärzte – sollen in einer Anschlussstudie untersucht werden.

Um Qualität und Ergebnisse messen zu können, verlangten die Experten einmütig einen besseren Zugang zu Routinedaten. „Der Datenschatz der Krankenkassen muss endlich wissenschaftlichen Einrichtungen zugänglich gemacht werden“, forderte Prof. Dr. med. Peter C. Scriba, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der BÄK.

Blick aufs „Kerngeschäft“

Dass die kollegiale Beurteilung im Peer Review zur Qualitätsverbesserung beitragen kann, belegte Priv.-Doz. Dr. med. habil. Maria Eberlein-Gonska, Leiterin des Zentralbereichs Qualitäts- und Medizinisches Risikomanagement des Universitätsklinikums Dresden. Wenn Krankenakten und Arbeitsabläufe analysiert und dann Verbesserungen erarbeitet würden, verliefe dies zwar teils emotional: „Denn mir schaut jemand in die Karten.“ Die Akzeptanz sei aber meist groß, weil es darum gehe, das „Kerngeschäft“ zu betrachten. „Es wird angeschaut, was ich als Arzt oder Ärztin jeden Tag tue“, so Eberlein-Gonska. Die Folge: Die betroffenen Ärzte setzten sich erneut mit ihren Fällen auseinander. Als Beispiel führte sie eine kollegiale Beurteilung von Schlaganfalltherapien an. Im überprüften Klinikum seien zehn Prozent der Patienten trotz maximaler Therapie gestorben. „Da haben die verantwortlichen Ärzte selbst gesagt, das sei ein interessanter Fall für das Peer Review“, so die Ärztin.

Um kollegialen Dialog und konstruktive Kritik innerhalb eines solchen Verfahrens zu vermitteln, hat die BÄK ein Fortbildungscurriculum erarbeitet. Es hebe nicht nur auf die Vermittlung von theoretischem Wissen über Peer-Review-Verfahren ab, sondern sehe auch ein intensives Training im Umgang mit Konflikten, Kritik und Widerstand sowie lösungsorientierte Gesprächsführung vor, so die BÄK.

Heike Korzilius

QUALITÄT IM NETZ

Wer sich für die referierten sowie weitere Themen des Symposiums „Ergebnisverbesserung durch Qualitätsmanagement“ interessiert, findet Informationen unter anderem auf folgenden Seiten im Internet:

  • http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/CurrAerztlPeerReview2013.pdf
  • www.qualitaetssicherung-mit-routinedaten.de
  • www.dgu-online.de/qualitaet-sicherheit/schwerverletzte/weissbuch-schwerverletztenversorgung.html

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