ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2013Sterbehilfe: Höchstrichterlicher Klärungsbedarf
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Der Beschluss des Ärztetages Kiel, Ärzten die Beihilfe zum Suizid sanktionsbewehrt explizit zu verbieten, ist eine Anmaßung, da sie über das deutsche Strafgesetz hinausgeht.

Nach Ansicht des Juristen Prof. Kluth ist das Verbot in der neuen MBO zulässig. Dem haben in Bochum wenigstens ein Anästhesist und ein Medizinethiker widersprochen, wie das DÄ berichtet.

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Wir leben in einer Gesellschaft mit unterschiedlichen Wertesystemen, in der die Tabuisierung des ärztlich begleiteten Suizids nicht mehr hinnehmbar ist.

Schon 1986 haben 23 namhafte Juristen und Ärzte den sogenannten Alternativentwurf eines Gesetzes über Sterbehilfe erarbeitet (Thieme, Stuttgart, ISBN 3-13-688201-6), in dem unter anderem die Nichthinderung eines Bilanzsuizids als nicht rechtswidrig erklärt und bei der Tötung auf Verlangen bei schwerstem Leidenszustand auf Bestrafung verzichtet wird, §§ 214, 215, 216 StGB.

Nach den Befragungen durch Wehkamp 1996 haben ein Prozent der deutschen Kliniker und acht Prozent der Niedergelassenen schon aktive Sterbehilfe geleistet. In England sind es zwölf Prozent. Der offiziellen Meinung der verfassten deutschen Ärzteschaft, dass Beihilfe zum Suizid und aktive freiwillige Sterbehilfe dem ärztlichen Berufsbild widersprechen und verboten sind, hält ein Teil der Ärzteschaft entgegen, dass Sterbehilfe als Leidensminderung durchaus eine ärztliche Aufgabe ist.

Vermutlich wird dieses ganz große Thema erst enttabuisiert, wenn sich Ärzte – wie seinerzeit mutige Frauen im „STERN“ („ Ich habe abgetrieben“) – öffentlich zu ihrer Beihilfe zum Suizid bekennen und die Frage höchstrichterlich geklärt wird, ob die Bundes­ärzte­kammer tatsächlich das Recht hat, über die Vorschriften des StGB hinauszugehen.

Prof. Dr. med. Arne A. Kollwitz,
14129 Berlin-Schlachtensee

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