ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2013Prostatakrebs: Strahlentherapie oder Operation?

AKTUELL: Akut

Prostatakrebs: Strahlentherapie oder Operation?

Dtsch Arztebl 2013; 110(19): A-914 / B-798 / C-794

EB

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Prostatakrebs kann heute im Frühstadium durch Operation oder Strahlentherapie geheilt werden. Beide Behandlungen haben jedoch unterschiedliche Auswirkungen auf die Lebensqualität, die nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) bei der Therapiewahl berücksichtigt werden sollten. Eine aktuelle Studie (NEJM 2013 Jan 31; 368: 436–45), in der mehr als 1 600 Männer ein, zwei, fünf und 15 Jahre nach der Behandlung nach ihren Beschwerden befragt wurden, liefert nun Vergleichsdaten zu den Langzeitauswirkungen der beiden Therapien. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Lebensqualität nach 15 Jahren wieder angleicht.

„Viele Patienten erholen sich in den ersten Jahren nach der Operation von der Harnwegsinkontinenz. Sie erreichen aber auch nach 15 Jahren nicht die Lebensqualität von Patienten nach Strahlentherapie“, betont Prof. Dr. med. Thomas Wiegel, Ärztlicher Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Ulm. So war der Anteil der Patienten, die regelmäßig Einlagen tragen müssen, 15 Jahre nach der Operation noch immer mehr als doppelt so hoch wie bei den strahlentherapierten Patienten. Bei der Sexualfunktion hatten Männer aus der Prostatektomiegruppe nach zwei und fünf Jahren häufiger Erektionsstörungen als die aus der Radiotherapie-Gruppe, obwohl letztere im Mittel fünf Jahre älter waren. Nach 15 Jahren kommt es zu einer Angleichung, die aber vor allem eine Folge des hohen Alters ist. Bei der letzten Befragung hatten in beiden Gruppen etwa neun von zehn Männern eine erektile Dysfunktion, was angesichts eines Lebensalters von etwa 80 Jahren nicht mehr als Problem angesehen wurde. Auch die Störung der Darmfunktion nach der Strahlentherapie ist in der Regel nicht dauerhaft: Der Anteil der Patienten, die nach der Radiotherapie über schmerzhafte Stuhlgänge klagten, ging von 14 Prozent nach zwei Jahren auf vier Prozent nach 15 Jahren zurück. Es gab hier am Ende keine Unterschiede mehr zu den operierten Patienten.

„Die Studie zeigt, dass insbesondere ältere Patienten, die bislang keine Probleme mit Inkontinenz, Potenz und Darmfunktion hatten, von der Strahlentherapie profitieren. Innerhalb der ersten Jahre haben sie deutliche Vorteile gegenüber operierten Patienten und danach auch keine wesentlichen Nachteile“, folgert DEGRO-Präsident Prof. Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck. Die Therapie sollte jedoch immer individuell abgestimmt werden. EB

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige