ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2013Malignome mit unbekanntem Primärtumor: Genexpressionsanalysen verbessern Therapieergebnis

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Malignome mit unbekanntem Primärtumor: Genexpressionsanalysen verbessern Therapieergebnis

Dtsch Arztebl 2013; 110(19): A-941 / B-821 / C-816

Gulden, Josef

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Krebserkrankungen mit unbekanntem Primärtumor (Cancer of unknown primary, CUP) sind nicht ganz selten. Sofern sie nicht kurativ – etwa chirurgisch – zu behandeln sind, gibt es keine spezifischen Therapieansätze, sondern sie werden in der Regel empirisch behandelt, meist mit Zytostatika mit möglichst breitem Wirkspektrum. US-amerikanische Onkologen setzen auf die Anwendung von Genexpressions-Arrays, mit denen Primärtumoren sich anhand des Nachweises der Expression bestimmter Gene differenzieren lassen sollen.

Prospektiv wurde bei 289 Patienten mit CUP-Syndrom, die am Sarah Cannon Research Institute in Nashville, Tennessee, diagnostiziert und behandelt wurden, mit einem 92-Gen-Assay revers transkribierte RNA aus Tumorbiopsien analysiert. Die Gene sind so ausgewählt, dass das Expressionsmuster eine möglichst genaue Zuordnung zu bestimmten Tumortypen erlaubt. Bei 252 der Patienten konnte die Analyse durchgeführt werden, und bei 247 (98 %) ließ sich dabei ein Ursprungsgewebe für die gefundenen Metastasen vorhersagen. Am häufigsten waren Gallenwegs- (18 %), Urothel- (11 %), Kolorektal- (10 %) und nicht kleinzelliges Lungenkarzinom (7 %). 223 der Patienten kamen für eine Therapie infrage, und bei 194 von ihnen war sie spezifisch auf die durch den Assay vorhergesagte Natur des Primärtumors zugeschnitten. Sie überlebten median 12,5 Monate, während es in einem historischen Kontrollkollektiv, das empirisch behandelt worden war, nur neun Monate waren (Grafik). Die Überlebensdauer hing auch vom Tumortyp ab: Sprach dieser nach bisheriger klinischer Erfahrung besser an, so überlebten die Patienten im Median 13,4 Monate, bei Tumoren, die als eher resistent gelten konnten, hingegen nur 7,6 Monate (p = 0,04).

Gesamtüberleben der Patienten bei empirischer Therapie und einer den Resultaten des Gentests entsprechenden Behandlung
Gesamtüberleben der Patienten bei empirischer Therapie und einer den Resultaten des Gentests entsprechenden Behandlung
Grafik
Gesamtüberleben der Patienten bei empirischer Therapie und einer den Resultaten des Gentests entsprechenden Behandlung

Fazit: Die Autoren halten die molekulare Analyse der CUP-Tumoren für eine vielversprechende neue Technik: Die mit 12,5 Monaten deutlich längere Überlebensdauer bei diesem Kollektiv zeigte, dass eine spezifischere Therapie entsprechend dem vorhergesagten Tumortyp wirksamer sei. Prof. Dr. Kari Hemminki vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg ist skeptischer: Das Überleben von Patienten mit CUP hänge stark vom jeweiligen Patientenkollektiv ab, in der vorliegenden Studie etwa waren lediglich 12 % bzw. 5 % der Ursprungstumoren Lungen- bzw. Pankreastumoren, in eigenen populationsbezogenen Untersuchungen an Autopsiematerial, so Hemminki, waren es jeweils etwa 25 %. In solchen nichtselektierten Kollektiven beträgt die mediane Überlebenszeit nur etwa drei Monate, während es in der amerikanischen Kontrollkohorte neun Monate waren.

Josef Gulden

Hainsworth JD, et al.: Molecular gene expression profiling to predict the tissue of origin and direct site-specific therapy in patients with carcinoma of unknown primary site: A prospective trial of the Sarah Cannon Research Institute. J Clin Oncol 2013; 31: 217–23. MEDLINE

Gesamtüberleben der Patienten bei empirischer Therapie und einer den Resultaten des Gentests entsprechenden Behandlung
Gesamtüberleben der Patienten bei empirischer Therapie und einer den Resultaten des Gentests entsprechenden Behandlung
Grafik
Gesamtüberleben der Patienten bei empirischer Therapie und einer den Resultaten des Gentests entsprechenden Behandlung

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