ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2013Glaukomchirurgie: Trabekulektomie bei Diabetikern weniger erfolgreich

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Glaukomchirurgie: Trabekulektomie bei Diabetikern weniger erfolgreich

Dtsch Arztebl 2013; 110(19): A-944 / B-822 / C-817

Gerste, Ronald D.

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Die Trabekulektomie ist nach wie vor der „Goldstandard“ der Glaukomchirurgie, obwohl in den letzten Jahren weitere Verfahren wie die Kanaloplastik entwickelt worden sind und es kammerwasserableitende Implantate gibt. Bei der Trabekulektomie wird das Kammerwasser über ein sogenanntes Sickerkissen (engl. bleb) unter die Bindehaut geleitet. Der Erfolg der Trabekulektomie wird an der anhaltenden Funktion („Überleben“) dieser kleinen Fistel und an der mit ihrer Hilfe erzielten Senkung des Intraokulardrucks (IOD) bemessen.

Dass der Eingriff bei Diabetikern mit einer Augenbeteiligung, einer diabetischen Retinopathie, weniger erfolgreich ist als bei Stoffwechselgesunden ist seit längerem belegt. Nun hat eine Studiengruppe der University of California in Los Angeles nachgewiesen, dass die Trabekulektomie auch bei Diabetikern ohne Retinopathie eine weniger effiziente IOD-Kontrolle als bei Nichtdiabetikern bewirkt. Im Vergleich von 41 trabekulektomierten Augen von 29 diabetischen Patienten mit 81 Augen von 63 Nichtdiabetikern, die dem Eingriff unterzogen wurden, ergab sich bei den jährlichen Untersuchungen, dass der IOD der diabetischen Augen über einen Zeitraum von 8 Jahren stets höher war. Nach 5 Jahren waren 58 % der Sickerkissen bei diabetischen Patienten noch funktionsfähig (= hatten überlebt) gegenüber 68 % in der Kontrollgruppe. Die durchschnittliche Überlebenszeit des Sickerkissens betrug 63 Monate bei Diabetikern und knapp 75 Monate bei Nichtdiabetikern (Grafik). Auch in der Zahl der postoperativ notwendigen antiglaukomatösen Medikationen (ein Indikator eines nur relativen Erfolges der Trabekulektomie) schnitten die Diabetiker schlechter ab, zum Beispiel mit durchschnittlich 1,3 Präparaten (IOD-senkende Augentropfen) versus 0,7 in der Kontrollgruppe nach 4 Jahren.

Kumulatives Überleben der Sickerkissen nach Trabekulektomie von Diabetikern und Nichtdiabetikern (Kontrolle)
Kumulatives Überleben der Sickerkissen nach Trabekulektomie von Diabetikern und Nichtdiabetikern (Kontrolle)
Grafik
Kumulatives Überleben der Sickerkissen nach Trabekulektomie von Diabetikern und Nichtdiabetikern (Kontrolle)

Fazit: Bei Diabetikern, die ein primäres Offenwinkelglaukom haben, aber keine diabetische Retinopathie, ist der wichtigste antiglaukomatöse Eingriff weniger erfolgreich als bei Nichtdiabetikern. Als Erklärungen werden eine höhere Fibroblastenaktivität und Angiogenese bei Diabetikern, die eher zu einer Vernarbung in Konjunktiva und Episklera führen, sowie ein Zusammenbruch der Blut-Kammerwasser-Schranke mit einer erhöhten Entzündungsneigung diskutiert – auch andere ophthalmochirurgische Interventionen wie die Kataraktoperation sind bei Diabetikern mit höheren Komplikationsraten assoziiert. Die Prognose kann möglicherweise durch eine höhere Dosierung beziehungsweise eine längere Einwirkdauer des antiproliferativen Wirkstoffs Mitomycin C verbessert werden, der zur Hemmung einer Vernarbung bei Trabekulektomien meist routinemäßig am Ende des Eingriffs lokal appliziert wird. Dr. med. Ronald D. Gerste

Law SK, Hosseini H, Saidi E, et al.: Long-term outcomes of primary trabeculectomy in diabetic patients with primary open angle glaucoma. Br J Ophthalmol 2013; 97: 561–6. MEDLINE

Kumulatives Überleben der Sickerkissen nach Trabekulektomie von Diabetikern und Nichtdiabetikern (Kontrolle)
Kumulatives Überleben der Sickerkissen nach Trabekulektomie von Diabetikern und Nichtdiabetikern (Kontrolle)
Grafik
Kumulatives Überleben der Sickerkissen nach Trabekulektomie von Diabetikern und Nichtdiabetikern (Kontrolle)

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