ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1996USA: Beziehungen zwischen Industrie und akademischer Forschung

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USA: Beziehungen zwischen Industrie und akademischer Forschung

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LNSLNS Die biomedizinische Industrie und die Universitäten in den USA unterhalten eine weitgehend gute und produktive Zusammenarbeit; aber es gibt in einem Bereich ein gewisses Problem. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage unter 210 Firmen aus den Bereichen Landwirtschaft, Chemie und Pharma, die Mitarbeiter mehrerer akademischer Forschungsstellen durchgeführt haben. Von den befragten Firmen unterhielten 90 Prozent Forschungsbeziehungen zu Universitäten; 59 Prozent finanzierten im Jahre 1994 Forschungsvorhaben mit etwa 1,5 Milliarden Dollar. Die Forschungsaufträge beliefen sich allerdings im allgemeinen auf kurze Zeiträume, meist weniger als zwei Jahre. Und jeweils mehr als 60 Prozent der Forschungsaufträge vergebenden Firmen berichten, daß sie mit Patenten, neuen Produkten und Umsätzen von der Universitätsforschung profitiert hätten. Diese Ergebnisse weichen von denen einer zehn Jahre zuvor unternommenen Untersuchung kaum ab. Die Autoren weisen darauf hin, daß Forschungsaufträge der Industrie nur einen kleinen Teil der Forschung fördern. Deshalb sei es eine trügerische Hoffnung, daß die Industrie eventuelle Ausfälle staatlicher Gelder kompensieren könne. Das Problem, das bei industriellen Forschungsaufträgen auftritt, ist die Geheimhaltung. Die Firmen verlangen in ihren Verträgen, daß Forscher ihre Ergebnisse für einen gewissen Zeitraum nicht publizieren dürfen; häufig werden sechs Monate verlangt – ein Zeitraum, der für die Patentanmeldung erforderlich ist. Abgesehen davon, daß damit die Kommunikation der Wissenschaftler allgemein behindert wird, ergeben sich Nachteile besonders für postgraduierte Mitarbeiter, die wegen ihrer weiteren Karriere darauf angewiesen sind, möglichst schnell Publikationen aufweisen zu können. bt


Blumenthal D, Causino N, Campbell E, Louis KS: Relationships between Academic Institutions and Industry in the
Life Sciences. NEJM 1996; 334: 368–373
Dr. David Blumenthal, Medical Practices Evaluation Center, 50 Stanford St., Boston, MA 02114, USA

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