ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2013Diotima-Preisverleihung 2013: Psychisch kranke Kinder im Fokus

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Diotima-Preisverleihung 2013: Psychisch kranke Kinder im Fokus

PP 12, Ausgabe Mai 2013, Seite 202

Bühring, Petra

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Die Diotima-Preisträger: Hans Hopf (links) und Fritz Mattejat. Fotos: BPtK
Die Diotima-Preisträger: Hans Hopf (links) und Fritz Mattejat. Fotos: BPtK

Für ihre besonderen Verdienste um die psychotherapeutische Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher erhielten Hans Hopf und Fritz Mattejat den Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft.

Diotima war eine mythische Priesterin der Antike. Sie gilt als Lehrerin des Sokrates, die ihn dazu inspirierte, als erster Philosoph die Seele des Menschen in den Mittelpunkt seines Denkens und Lehrens zu stellen. Der Diotima-Ehrenpreis wird nun im fünften Jahr an Menschen oder Organisationen verliehen, die sich besonders um die Versorgung psychisch kranker Menschen verdient gemacht haben.

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Dieses Jahr werden gleich zwei Psychotherapeuten geehrt, die sich mit ihrem wissenschaftlichen und therapeutischen Wirken um die Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher bemüht haben: der Psychoanalytiker Dr. Hans Hopf und der Verhaltenstherapeut Prof. Dr. Fritz Mattejat.

Der Kinderanalytiker

Dem Psychotherapeuten, wissenschaftlichen Autor, Gutachter und in der Ausbildung des Nachwuchses aktiven Hans Hopf sei es gelungen, in der analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie „Brücken zu bauen zwischen Tradition und Moderne und unter Berücksichtigung der Anforderungen der Versorgung“, sagte Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK), in seiner Laudatio. Hopfs zentrale Themen sind Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS), Aggression und Angststörungen.

Hans Hopf habe immer wieder darauf hingewiesen, dass die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, bei der die Eltern, die Erzieher im Kindergarten und Lehrer eine besondere Verantwortung tragen. „Sie alle können Kindern und Jugendlichen ein mehr oder weniger förderndes Umfeld bieten“, sagte Richter. Der ursprünglich als Grund- und Hauptschullehrer tätige Hopf habe diese Zusammenhänge immer wieder aufgezeigt, in Büchern, Zeitschriftenbeiträgen und Radiointerviews. Neben der eigenen kindertherapeutischen Praxis war Hopf auch therapeutischer Leiter des Therapiezentrums „Osterhof“, einer psychotherapeutischen Eltern-Kind-Einrichtung.

„Ich begegne immer häufiger Jungen in größten Nöten“, sagte Hopf bei der Preisverleihung. „Mich beunruhigen diese unruhigen Jungen.“ Den Zusammenhang zwischen der Bewegungsunruhe von Jungen im Verhältnis von Familie und Gesellschaft und der Diagnose ADHS zeigte er deshalb in seinem Vortrag auf, der in gekürzter Fassung ab Seite 216 zu lesen ist.

Der Versorgungsforscher

Die Arbeit des Wissenschaftlers Fritz Mattejat sei gekennzeichnet durch die Suche nach Evidenz für die Wirksamkeit psychotherapeutischer Behandlungen bei Kindern und Jugendlichen und wissenschaftlich begründeten Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung, sagte der BPtK-Präsident in seiner Laudatio: „Als Versorgungsforscher ist es für ihn immer entscheidend gewesen, Psychotherapie dort zu untersuchen, wo sie stattfindet.“ Zu den Themen des Psychologen, der von 1980 bis zu seiner Pensionierung an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Philipps-Universität Marburg tätig war, gehörten: Diagnostik, Verhaltenstherapie, Familiendiagnostik- und -therapie, Angstsyndrome, Ausbildung, Psychotherapieforschung, Evaluationsforschung, Qualitätssicherung und Lebensqualitätsforschung. „Besondere Pionierarbeit hat er zum Thema ,Kinder psychisch kranker Eltern‘ geleistet“, sagte Richter.

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Ausbildung begegneten ihm heute „mit einer offenen, pragmatischen Grundeinstellung und einem hohen professionellen Anspruch“, sagte Mattejat unter anderem in seinem Vortrag. Doch auffallend sei, dass sie häufig Therapiekonzepte und Manuale überschätzten. „Leitlinien und Manuale alleine funktionieren, wenn im Umfeld des betroffenen Kindes alles in Ordnung ist“, erklärte er. Wenn nicht, und das sei in den meisten Fällen so, dann sei eigenes Urteilsvermögen wichtig. Das erfordere eine „Selbstständigkeit des Denkens“, die viele erst entwickeln müssten.

Petra Bühring

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