ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2013Schwere Depression: Linderung durch kognitive Verhaltenstherapie

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Schwere Depression: Linderung durch kognitive Verhaltenstherapie

PP 12, Ausgabe Mai 2013, Seite 227

Meyer, Rüdiger

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Eine kognitive Verhaltenstherapie kann eine Major-Depression auch bei Patienten lindern, die nicht allein auf eine medikamentöse Therapie ansprechen. Dies zeigt eine randomisierte klinische Studie im „Lancet“ (1). Weniger als die Hälfte der Patienten mit Major-Depression erzielt unter der medikamentösen Therapie eine Remission. Der Wechsel auf ein anderes Antidepressivum – mehr als ein Dutzend verschiedene Wirkstoffe sind zugelassen – ist dann nur noch bedingt erfolgversprechend. In der US-amerikanischen STAR*D-Studie wurde in einer Zweit- und Dritttherapie nur bei einem Fünftel der Patienten eine befriedigende Wirkung erreicht.

Eine Alternative zum Medikamenten-Hopping ist die Fortführung der medikamentösen Therapie in Kombination mit einer kognitiven Verhaltenstherapie. Sie setzt auf eine Krankheitseinsicht der Patienten.

Die CoBalT-Studie hat den Wert der kognitiven Verhaltenstherapie an Patienten mit einer Depression (nach ICD-10-Kriterien) untersucht, die zuvor über mindestens sechs Wochen erfolglos mit einem Antidepressivum behandelt worden waren. Die 469 Teilnehmer hatten zu Beginn einen Score von 14 oder mehr im Beck-Depressions-Inventar (BDI-II). Sie wurden auf eine alleinige Fortsetzung der medikamentösen Therapie oder auf eine Kombination der medikamentösen Therapie mit einer kognitiven Verhaltenstherapie randomisiert. Die Patienten nahmen in der Folge an zwölf bis 18 individuellen Therapiesitzungen teil. Im Unterschied zur STAR*D-Studie, wo nur 30 Prozent zu einer Psychotherapie bereit waren, nahmen in der CoBalT-Studie fast alle Patienten das Angebot an. Insgesamt 90 Prozent der Patienten konnten nach sechs Monaten in die Auswertung einbezogen werden.

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Wie das Team um Nicola Wiles von der Universität Bristol jetzt berichtet, kam es unter der zusätzlichen Psychotherapie bei 46 Prozent der Patienten zu einer „Response“, definiert als eine Reduktion der Symptome um wenigstens 50 Prozent. Unter einer alleinigen Fortsetzung der medikamentösen Therapie erreichten nur 22 Prozent dieses Ziel. Auch die STAR*D-Studie hatte in einem der zahlreichen Studien-Arme die kognitive Verhaltenstherapie mit einer medikamentösen Therapie kombiniert. Anders als in der CoBalT-Studie wurde jedoch kein Vorteil gegenüber einer Medikamententherapie erzielt, die allerdings zwei Wirkstoffe kombiniert hatte (Am J Psychiatry 2007; 164: 739–52). Die Gründe für die unterschiedlichen Ergebnisse sind unklar.

Die geringere Bereitschaft der US-Patienten zu einer Psychotherapie könnte eine Rolle gespielt haben. Möglicherweise ist aber die Psychotherapie im Rahmen des Staatlichen Gesundheitsdienstes in Großbritannien leichter anzubieten als unter den Bedingungen der privaten Kran­ken­ver­siche­rungen in den USA.

Die Ergebnisse der Studie unterstützen jedenfalls die Pläne der britischen Regierung, die die psychotherapeutischen Angebote ausweiten will. Das English National Health Service programme Improving Access to Psychological Therapies soll mit etwa 500 Millionen Pfund gefördert werden. rme

Wiles N, Thomas L, Abel McPhil A, et al.: Cognitive behavioural therapy as an adjunct to pharmacotherapy for primary care based patients with treatment resistant depression: results of the CoBalT randomised controlled trial.The Lancet, 7 December 2012, DOI: 10.1016/S0140–6736(12)61552–9 MEDLINE

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