ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2013Systemische Theorie: Forschen nach Strukturen

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Systemische Theorie: Forschen nach Strukturen

PP 12, Ausgabe Mai 2013, Seite 231

Egloff, Götz

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Sowohl qualitative als auch quantitative Forschungsmethoden werden in diesem gewaltigen Vielautorenwerk, das dennoch aus einem Guss ist, intensiv beleuchtet. Ebenso werden Grundfragestellungen systemischer Theorie und Praxis durchgearbeitet. Auch persönliche Reflexionen im professionellen Forschungskontext finden ihren Platz und vermögen, zusammen mit Synopsen zu historischen Forschungsentwicklungen, dem Band eine freundliche Note zu verleihen (Anlesetipp: die Beiträge von Hildenbrand, Dahl und Boss). Dies ist im Dickicht der Methoden, Ansätze und Perspektiven keine Selbstverständlichkeit – hier haben die Heidelberger Herausgeber eine große Integrationsleistung erbracht. Für alle, die systemisches Forschen als Forschen nach Strukturen verstehen, wird dieses Handbuch höchst hilfreich und profitabel sein.

Was qualitative Methoden angeht, sind diese bislang nicht für ihre Kompatibilität mit systemischen Konzepten bekannt, doch zeigt sich hier, dass es gilt, den Begriff systemisch nicht mit konstruktivistisch gleichzusetzen. Etwas schade ist, dass die operationalisierte psychodynamische Diagnostik keinen Eingang in den Band gefunden hat; die Suggestion, dass psychodynamisches Verstehen und systemisches Denken nicht zusammengehen können, ist nicht nur für die Praxis bedenklich. So läuft die Systemik nach wie vor Gefahr zu entsubjektivieren und therapeutisch letztlich sozialtechnologische Züge zu tragen, eine Tendenz, die sie wohl schon immer in sich trug. Bei allen Vorzügen lässt sich kaum absehen, ob und wie wirkmächtig systemisches Denken und Handeln gesellschaftlich sein wird, wenn es forscherisch und therapeutisch auch immer wieder effektiv ist. Forscher und Therapeuten jedweder Provenienz sollten mit diesem Werk Bekanntschaft machen. Götz Egloff

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Matthias Ochs, Jochen Schweitzer (Hg.): Handbuch Forschung für Systemiker. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2012, 400 Seiten, gebunden, 49,95 Euro

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