ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2013Börsebius: Hausse, Hausse über alles

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Börsebius: Hausse, Hausse über alles

Dtsch Arztebl 2013; 110(20): A-1005 / B-877 / C-873

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Es geschah am 7. Mai um 10.51 Uhr. Der DAX erklomm sein bisheriges Allzeithoch von 8 153 Punkten. So hoch war das deutsche Kursbarometer – bis auf einen Punkt – zuletzt im Jahr 2007, danach bereitete die Finanzmarktkrise noch weiter hochfliegenden Börsenplänen den Garaus.

Das jüngste Alltime-High des DAX fand regen Zuspruch in der Öffentlichkeit und wurde in den Medien rauf und runter diskutiert, von völligem Unverständnis über die erreichte Höhe bis zu überaus optimistischen Prognosen über den weiteren Verlauf war alles dabei. Am Ende darf oder muss dann der Anleger die für ihn gefühlte beste Version herausfinden. Aber ob sie ihm in der Depotentscheidung wirklich weiterhilft? Wahrlich keine einfache Aufgabe.

Es stimmt sicher, dass die derzeitige Konjunkturlage (außerhalb Deutschlands) alles andere als rosig ist und sich in den nächsten Monaten eher verschlechtern dürfte. Von daher dürfte der DAX eigentlich nicht haussieren. Der wahre Indextreiber ist vor allem in der Überflutung der Finanzmärkte mit Liquidität bei gleichzeitig extrem niedrigen Zinsen zu sehen. Wer gibt sich denn noch mit 0,5 Prozent Festgeld zufrieden?

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Natürlich hat auch die Entschärfung der Schuldenkrise durch diese Liquiditätsversorgung zu einer Beruhigung der Investoren und damit besseren Kursen weltweit beigetragen. Die zentrale Frage ist und bleibt aber, ob die Politik der Notenbanken tatsächlich zu einer konjunkturellen Beschleunigung und zu einer Steigerung der Unternehmensgewinne führt. Eine Antwort hierauf wage ich nicht zu geben.

Bei all den Diskussionen über den Rekord des DAX wird oft ein wichtiges Detail vergessen oder mangels Unwissenheit nicht erwähnt. Der Deutsche Aktienindex DAX ist ein sogenannter Performanceindex. Das bedeutet, die ausgeschütteten Dividenden werden hinzugerechnet. Um also aussagekräftige Vergleiche anzustellen, müsste eigentlich der reine Kursindex genommen werden. Der so ermittelte „echte“ DAX stand im Frühjahr 2000 bei etwa 6 000 Punkten, und zur Jahresmitte 2007 waren es 5 000 Punkte. Und 2013? Derzeit liegt dieses bereinigte Kursbarometer bei knapp 4 400. Das heißt schlicht und ergreifend, der DAX hat, so gesehen, noch ein beträchtliches Aufwärtspotenzial. Na, bitte.

Der alte Börsenspruch „sell in may and go away“ sagt dem abergläubischen Kenner, wer im Wonnemonat verkauft, macht alles richtig, weil es dann meistens abwärts geht. Ob diese Weisheit für dieses Jahr wirklich ihr letzter Schluss ist, wage ich zu bezweifeln. Sie stimmt aber möglicherweise für den Wonnemonat 2014. Aber bis dahin gilt vermutlich die Börsenregel „Gewinne musst du laufen lassen“. Die europäische Zentralbank wird’s schon richten. Also Hausse, Hausse über alles. Wenigstens für’s Erste.

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