ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2013Vertragsärzte: Wer vollwertiger Hausarzt ist
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Herr Krombholz unterstellt den „naturheilkundlich-homöopathisch orientierten Ärzten“ pauschal, aufgrund ihrer Ausrichtung nur einen Teil der klassisch-hausärztlichen Tätigkeit abzudecken. Dabei gibt er zugleich zu: „Wir können nicht genau sagen, was diese Praxen machen.“ Er wirft den Akupunkteuren vor, von der hausärztlichen Grundpauschale zu zehren, die doch Anteile für die Gerätefinanzierung enthalte. Es ist ihm wichtig, dass „ein typischer Hausarzt in nennenswertem Umfang Patienten versorgt, die an den großen Volkserkrankungen leiden“. Damit will er die geplanten Änderungen im Hausarzt-EBM rechtfertigen, die auf eine Vorenthaltung der hausärztlichen Grundpauschale und der Chronikerziffern bei Behandlung mit Akupunktur, Psychotherapie, Schmerztherapie unter anderem hinauslaufen.

Es ist schon demütigend, wenn man von seinen Hausbesuchen müde nach Hause kommt, lesen zu müssen, dass man kein vollwertiger Hausarzt ist, weil man eine Volkskrankheit wie Rückenschmerzen oder Arthrose mit hohem persönlichem Einsatz behandelt. Ich kenne viele Kolleginnen und Kollegen, die ihre Patienten mit Akupunktur behandeln. Sie alle betreiben eine überdurchschnittlich engagierte Hausarztmedizin. Woher nimmt Herr Krombholz die Evidenz, dass sich Akupunktur und vollwertige hausärztliche Versorgung ausschließen? Was hat Herr Krombholz eigentlich für eine Vorstellung von naturheilkundlich orientierten Praxen? Praxen mit Marmorböden, Lederfauteuils und jungen schönen Menschen? . . .

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Wer Patienten mit einer (per definitionem) chronischen Erkrankung circa zehnmal in drei Monaten anlässlich der Akupunktur sieht, muss nicht nur die sonstige Rundumbehandlung wegen Rückenschmerz oder Arthrose leisten, sondern wird auch häufig mit weiteren Krankheitsproblemen konfrontiert – sicher mehr als jemand, der einmal eine Sonographie macht. Die geplante EBM-Änderung mit Spaltung der Hausärzte in „typische“ und „abweichende“ aufgrund derart absurder Kriterien ist wohl nur neidmotiviert zu verstehen. Dabei wird die Akupunktur genau so schlecht bezahlt wie die zugegeben schlecht bezahlte Gerätemedizin. Auch für die Akupunktur fallen zusätzliche Sachkosten an, unter anderem für vorgeschriebene abgeschlossene Räume. Die müssen jedoch aus der budgetierten Akupunkturziffer bezahlt werden, genauso wie Gerätekosten aus der entsprechenden Technikziffer.

Dr. Axel Wiebrecht, Vorsitzender des Berufsverbandes der Ärzte für Naturheilverfahren Berlin-Brandenburg, 12161 Berlin

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