ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2013Chirurgische Forschung nur „marginal“ öffentlich gefördert

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Chirurgische Forschung nur „marginal“ öffentlich gefördert

Dtsch Arztebl 2013; 110(20): A-968 / B-844 / C-840

Zylka-Menhorn, Vera

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Die öffentliche Finanzierung der Weiterentwicklung chirurgischer Techniken und Verfahren bleibe weit hinter ihrer Bedeutung für die Bevölkerung zurück, kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). „Bei vielen Tumoren bietet die Operation den einzig kurativen Ansatz. Bei der Mehrzahl der koronaren Herzerkrankungen ist die Bypass-Chirurgie der nichtchirurgischen Behandlung weit überlegen, und die operative Korrektur angeborener Fehler bei Kindern ist häufig ohne jede Alternative“, betonte Prof. Dr. med. Axel Haverich von der Medizinischen Hochschule Hannover auf dem Jahreskongress der DGCH in München.

„Dennoch fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ganz überwiegend Grundlagenforschung, als existiere der Bedarf klinisch relevanter chirurgischer Forschung gar nicht. Im Jahr 2010 gingen gerade einmal 2,8 Prozent des DFG-Budgets für die Bio-Wissenschaften in die chirurgische Forschung“, betonte Haverich. Ebenfalls marginalisiert worden sei die Chirurgie in den Fördermaßnahmen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), den Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren und den nationalen Gesundheitsforschungszentren (Ausnahme: Lungenforschung). In beiden Förderlinien betrage der Anteil der Chirurgie in der Personal- und Verbrauchsmittelfinanzierung unter einem Prozent.

Unverständlich für die DGCH sei zudem, dass im deutschen Gesundheitsforschungszentrum für Infektionskrankheiten sogar die drei für Krankenhauspatienten bedrohlichsten Erkrankungen – die nosokomiale Infektion, die Sepsis und die Implantatinfektion – völlig unberücksichtigt geblieben sind. „Da wird an Malaria, Aids und Tuberkulose geforscht und damit völlig an den Bedürfnissen deutscher Patienten vorbei“, monierte Haverich.

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Großes Interesse bekundet die Fachgesellschaft daran, an der Implantatforschung aktiv mitzuwirken. Wie Haverich berichtete, habe man dem Bundesministerium für Gesundheit und dem BMBF angeboten, ein Netzwerk von fachübergreifenden Expertisen in der Implantatforschung aufzubauen. In diesem Netzwerk solle die gesamte Entwicklungskette abgebildet sein, von der Materialentwicklung und Testung über das Kleintier-Screening sowie Großtier- und Langzeitversuche über klinische Prüfungen der Phase I bis III bis hin zur Langzeitbeobachtung in Registern. Insbesondere in die Langzeitbeobachtung wolle man die niedergelassenen Chirurgen ausdrücklich einbeziehen. zyl

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