ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2013Zitat der Woche: Gravierendes Fehlurteil
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Das „Zitat der Woche“ von Prof. Dr. Mau hat mich entsetzt.

Dass ein Vorstandsmitglied der Ärztekammer Berlin ein so gravierendes Fehlurteil über den Zustand des Gesundheitswesens in der DDR spricht, zeugt von völliger Unkenntnis der Verhältnisse außerhalb der privilegierten Charité, in der Herr Prof. Mau lange Jahre vor der Wende tätig war und von mangelnder Sensibilität der Redaktion des DÄ. Dass es anderswo in der DDR zum Beispiel an Insulin für eine Jugendliche mit Typ-I-Diabetes fehlte, Risikoschwangere zur Ultraschalluntersuchung 100 Kilometer im Sammeltransport in die Bezirksstadt gekarrt wurden, eine Tokolyse im zweiten Schwangerschaftsdrittel im Kreißsaal neben gebärenden Frauen stattfand, Röntgenfilme und Einwegmaterial fehlten, stattdessen unter anderem stumpfe Kanülen herhalten mussten, für die Behandlung eines Hydrozephalus nur eine unzureichende Auswahl von Shuntsystemen zur Verfügung stand, eine starre regionale Zuständigkeit von Schwerpunkt-Krankenhäusern lange Transportzeiten mit sich brachte und Kinder durch enge Besuchsregeln Hospitalisierungsschäden davontrugen, war für die Betroffenen mit Sicherheit ein schlecht zu ertragender Teil der DDR.

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Ich spreche von im Familien- und Bekanntenkreis erlebten Missständen Anfang der 1980er Jahre, die zwei der betroffenen Familien schon aus diesen Gründen zwangen, die DDR zu verlassen . . .

Dr. med. Antje Greve, 76137 Karlsruhe

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